Nein Mama, diesen Text willst du nicht lesen.

Ernsthaft jetzt, es wird schmutzig. Ja, Austausch von Körperflüssigkeiten. Aller Art.

pervers

1996 ist die Scheidung meiner Eltern endgültig vollzogen und alles in geregelten Bahnen. Mein Vater verweigert regelmäßig die Unterhaltszahlungen an meine Mutter, dafür bekommt er uns Kinder etwa jedes zweite Wochenende zu sehen.

An diesem Samstag sind mein Bruder und ich mit ihm in München unterwegs, zu seinem bevorzugtem Ausflugsziel, dem deutschen Museum. Es ist ein sonniger Tag im Frühling. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch lange blonde Haare und trage immer eine Art Metalkutte, eine Jeansweste mit einer Handvoll Aufnäher mit den Logos meiner Lieblingsbands darauf – AC/DC, Sodom, Iron Maiden…Mitte der Neunziger Jahre ist dies in etwa das Uncoolste, was man tragen kann, auch mein freshes Biohazard-Shirt reißt das nicht raus. Die Weste trage ich vor allem um das zu kaschieren, was meine Mitschüler liebevoll „Entenarsch“ nennen – eine unvorteilhafte Ansammlug von Körperfett an meinem Gesäß.

Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Museum laufen wir gerade eine Straße entlang, als plötzlich ein Auto mit quietschenden Reifen vor uns in einer Hofeinfahrt zum Stehen kommt. Aus der Beifahrertür springt eine Frau, rennt zum Hauseingang und drückt wie von Sinnen alle Klingelknöpfe. Mein Vater mein Bruder und ich stehen perplex da und beobachten die Szenerie.
„Mein Kleiner atmet nicht mehr!“ schreit die Frau hysterisch, während der Fahrer des Wagens ebenfalls aus dem Auto springt und die Tür zur Rückbank aufreißt. Dort sitzt zusammengesunken in einem Kindersitz ihr Sohn, offensichtlich bewusstlos.

Mein Vater, mein Bruder und ich beobachten perplex die Szenerie, während die Mutter des bewusstlosen Kindes über die Gegensprechanlage des Hauses jemanden anschreit, er solle den Notarzt rufen.

Mein Vater steht da, die Muskeln angespannt, man merkt ihm an, daß er etwas tun will, doch es gibt nichts zu tun. Es ist Mitte der Neunziger Jahre, niemand von uns besitzt ein Handy. Da bemerke ich eine Telefonzelle, etwa hundert Meter die Straße runter. „Ich hol da den Notarzt!“ rufe ich, und laufe los.

Doch als ich die Telefonzelle erreiche, höre ich bereits den sich nähernden Klang des Martinshorns und kurz darauf erreicht der Notarzt den Ort des Geschehens.
Im Bewusstsein, alles Mögliche getan zu haben, setzen wir unseren Weg fort, ohne den Ausgang der Tragödie jemals zu erfahren.

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Etwa acht Jahre später, Mitte der Nuller Jahre, lerne ich bei einem Treffen perverser junger Menschen Maja und Lea kennen. An diesem Abend stoße ich in Darmstadt zu ihnen. Die beiden sitzen im Herrengarten, einem Park in der Innenstadt, lesen, essen Pommes und suchen nach brauchbaren Stöcken, sie nennen es „ernten“. In der Luft liegt eine seltsame sexuelle Spannung. Als Maja mir absichtlich eine volle Flasche Cola in den Schritt wirft und ich mich mit einer mittelstarken Ohrfeige revanchiere, bittet sie mich, es nochmal zu tun. Angesichts der Tatsache, daß wir sowieso schon die Aufmerksamkeit einiger Spaziergänger auf uns gelenkt haben, sehe ich davon ab.

Lea wird einige Monate später ihren Bausparvertrag auslösen und von dem Geld ein Domina-Studio einrichten.

Gegen Abend beginnt es leicht zu regnen, wir brechen auf zu Leas Wohnung, die nur einige hundert Meter weit entfernt ist, doch wir schaffen es nicht und geraten in einen sintflutartigen Regenguß, der uns alle durchnässt. Bei Lea angekommen, beginnen die beiden, sich schamlos in meinem Beisein zu entkleiden und HAHA verarscht, das hättet ihr wohl gerne!

Stattdessen beginnen Maja und Lea auf dem Balkon, sich in Bondage zu trainieren, indem Lea Maja mit einem Hanfseil am Geländer festbindet. Plötzlich kommt ihr Mitbewohner auf den Balkon, der weder besonders überrascht noch übermäßig interessiert ist. „Ah, fesselt ihr Euch wieder?“ fragt er, zündet sich einen Joint an und verschwindet in seinem Zimmer.

Nach einer Weile verlagern wir unsere Aktivitäten nach drinnen und fangen wir an, uns (angezogen) gegenseitig mit den geernteten Stöcken aufs Gesäß zu schlagen. Lea bindet mir die Hand- an die Fußgelenke. Da sie jedoch noch nicht besonders geübt in solchen Dingen ist, ist es eher ein hilfloses Umwickeln der Extremitäten, das mich kaum daran hindert, aufzustehen und zu gehen, wenn ich wollte. Dies macht es auch nicht unbedingt besonders erotisch.

Nach einer Weile habe ich genug und bitte sie, aufzuhören. „Du darfst auch schreien.“ sagt sie, doch im Nebenzimmer befindet sich ihr Mitbewohner, der sowieso schon viel zuviel von alledem mitbekommt.

Währenddessen fällt mein Blick auf die Uhr und ich merke, daß die letzte S-Bahn zurück nach Frankfurt in ein paar Minuten fährt. Hastig schlüpfe ich in meine noch durchnässten Schuhe.
„Was wird das denn jetzt?“ fragt Lea. „Das ist eh komisch hier und ich muß nach Hause kommen.“ antworte ich.

„Du kannst auch bis morgen früh hierbleiben, aber dann musst du Dich von uns ein bißchen quälen lassen.“ „Okay, damit kann ich leben.“ „Okay dann zieh dich aus.“ „Was?“ „Zieh dich aus.“
Ich entkleide mich, „die Unterhose auch!“ und stapele meine Kleidung zusammengeknüllt auf einem Haufen.
„Wie sieht das denn aus? Mit Ordnung hast du es scheinbar nicht so!“
Ich bemühe mich, einen der Situation angemessenen Ernst zu zeigen, angesichts der Tatsache, daß wir uns in einem völlig zugemüllten WG-Zimmer befinden, deren Bewohnerin mich gerade ob meiner Unordentlichkeit maßregelt. Kurz darauf knie ich nackt in der Ecke ihres Zimmers, „ich will mindestens dreissig Zentimeter zwischen deinen Knien sehen, die Arme verschränkst du gefälligst auf dem Rücken!“
Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits starkes Übergewicht und daher Knieprobleme. Während ich da so kniee, schlägt Lea Maja, die vor ihr auf dem Bauch liegt, mit einem der geernteten Stöcke. Anders als in meinen Fantasien ist die Situation nicht von einer tranceartigen Geilheit geprägt sondern von dem Schmerz in meinen Knien und dem Geruch von benutztem Geschirr, das auf Leas überfülltem Schreibtisch vor sich hingammelt.
Als ich wage zu bemerken, daß ich nicht mehr lange so knien kann, meint Lea „Dann muss ich dich dafür bestrafen.“

Ein paar Minuten später liege ich mit meinen hundertdreissig Kilo bei Lea auf dem Fußboden, Hände und Füße nicht sehr wirkungsvoll gefesselt, mein primäres männliches Geschlechtsteil von einem Strick umwickelt, der ständig abgeht, da meine Erektion ständig nachlässt und wiederkommt, die Augen verbunden – eine Art schwabbeliges Etwas, verschnürt wie ein Rollbraten.
„Trink das“ sagt Maja zu mir, und hält mir eine Tasse an den Mund. Ich nehme einen kleinen Schluck der Flüssigkeit zu mir und muss beinahe sofort würgen, als ich erkenne, daß sie stark bitter schmeckt. Nur mit Mühe gelingt es mir, nicht zu erbrechen. Noch Wochen später wird sie mir versichern müssen, daß es KEIN Urin war – ich werde ihr nicht glauben und auf dem Formular für den HIV-Test den Satz „Habe vielleicht Urin getrunken“ angeben.

„Hm das mit deinem Schwanz klappt ja nicht so gut“, meint Lea im Hinblick auf meine nun garnicht mehr vorhandene Erektion. „Vielleicht müssen wir da mit einem Vibrator nachhelfen.“.
Kurze Zeit später habe ich ein Gefühl, als müsse ich sehr dringend Stuhlgang haben, als Lea den Vibrator in meinen After einführt. Dann später flutscht dieser wieder raus und auch Lea meint angewidert „Igitt“ ob der Ablagerungen aus Kot und Blut darauf.
„Hätte ich sagen sollen, daß ich Hämorrhoiden habe?“ frage ich peinlich berührt.

Schließlich zerren mich Lea und Maja an einer Hundeleine ins WG-Bad, befehlen mir, in der Dusche Platz zu nehmen und verschränken die Arme.
„Du holst dir jetzt einen runter.“ meint Lea und setzt sich erwartungsvoll auf den Klodeckel.

Und wieder ist die Situation anders als in meinen Fantasien nicht geil, sondern peinlich, albern und blöd. Ich bekomme nur mit Mühe eine Erektion zustande und es gelingt mir nicht, zu kommen. Ich bitte Lea, einen Strick um meinen Hals zu legen und diesen fest zuzuziehen, danach geht es ein bißchen besser.
„Äh…du spritzt uns jetzt aber nicht voll, oder?! Das soll schön in die Dusche gehen.“
Schließlich gelingt es mir unter Aufbietung aller Mühen, zu einem gefühllosen Orgasmus zu kommen und ein paar Tropfen Samenflüssigkeit aus meinem Geschlechtsteil in die Wanne der Dusche zu entleeren.

Als die Sonne aufgeht sitze ich meinen noch feuchten, klammen Klamotten im Zug zurück nach Frankfurt. Am Bahnhof kaufe ich mir einen Mohnplunder und Kakao. Ich habe etwa acht Stunden Zeit, mich auszuschlafen, abends habe ich einen Termin bei meiner Psychotherapeutin.

Lea wird einige Zeit später merken, daß sie nicht zur professionellen Domina geboren ist, ihr angehäuftes Equipment weit unter dem Einkaufswert wieder verkaufen müssen, in eine schwere Depression fallen und stationär in einer Psychiatrie behandelt werden müssen.

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An einem bewölkten Nachmittag im Herbst 1992 ruft meine Mutter meinen Bruder und mich zu sich. Ich bin gerade zehn-, mein Bruder acht Jahre alt. Meine Mutter hat einen ernsten Gesichtsausdruck. Sie eröffnet uns, sie habe gerade mit unserem Vater, der auf der Arbeit ist, telefoniert. Zu diesem Zeitpunkt ist die Ehe meiner Eltern bereits zerrüttet, bis zur Scheidung werden aber noch zwei lange Jahre vergehen.

Meine Mutter erzählt weiter, sie habe sich mit unserem Vater gestritten und er habe sie bedroht, es werde etwas schlimmes passieren, wenn er nach Hause komme, er werde sie „fertigmachen“. Das überrascht uns nicht besonders, denn mein Vater verliert schon seit einiger Zeit immer mehr die Kontrolle über seine cholerischen Charakterzüge. Sie schärft uns ein, abends, wenn er nach Hause kommt in unseren Zimmern zu bleiben. Weiter bittet sie uns, wenn etwas „Schlimmes“ passiere, zu den Nachbarn zu laufen und die Polizei zu verständigen.

Glücklicherweise beruhigt sich mein Vater bis zu seinem Feierabend, als er nach Hause kommt ist alles ruhig.

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April 2011.
„Heyyyyy….“ begrüßt sie mich, als sie im Morgengrauen zur Tür reinstolpert und mir um den Hals fällt. „Endlich bin ich da!“
„Wie war es denn noch?“ frage ich. „Ooooooch….interessant!“ sagt sie. „Und feuchtfröhlich“.
„Das riecht man.“, antworte ich grinsend angesichts ihrer stattlichen Alkoholphase.
„Oooooh schlimm?“
„Nein, nichts was ich nicht gewohnt wäre. War es nur Alkohol?“
„Oooooooohjeeeeee du stellst Fragen! Jaaaaaa, kann sein daß ich ein bißchen unartig war.“
Sie streift ihre Lederjacke ab und lässt diese auf den Boden fallen und torkelt durch den Flur in mein Wohnzimmer.
„Hast du heute wenigstens ein eigenes Röhrchen benutzt?
„Jaaaa mein kleiner Zwangsneurotiker, keine Angst vor Kontamination!“
Sie lässt sich auf das Sofa fallen und streift Schuhe und Socken ab.
„Und ich bin ein kleines bißchen heiß! Schlimm?“ Sie schaut mich betont unschuldig an. Ich lache. „Nein, alles gut. So hab ich wenigstens auch was von deinem Rausch“.
Als sie die Jeans öffnet, steigt mir ein strenger Geruch in die Nase, der sich nach einem Blick auf das Innere ihrer Hose als das rausstellt, was ich befürchte.
„Äh….also….naja….also erstmal solltest du duschen gehen?“
„Waaaaas?! Wieso das denn? Bin ich dir eklig?“
„Naja….“ Ich fasse sie an den Schultern und dirigiere sie sanft Richtung Bad.
Zwanzig Minuten später sind ihre Hose und Unterhose in einer Plastiktüte verpackt und sie liegt nackt bis auf ein Hundehalsband neben mir im Bett.
Als wir fertig sind bittet sie mich: „Bitte laß die Handschellen noch dran, ich will sie spüren, richtig spüren! Und den Knebel bitte auch.“
Ich informiere sie darüber, daß ich es für viel zu gefährlich halte, eine betrunkene Person, die noch dazu auf Amphetaminen ist, mit Knebel einschlafen zu lassen.
„Pah du Schisser!“
Kurz darauf schläft sie in meinen Armen ein und erwacht erst gute zehn Stunden später.
„Wo ist meine Hose? Sag mal, hast du mich gestern unter die Dusche gestellt oder hab ich das geträumt?“
Ich deute auf die Plastiktüte in der Ecke. Sie öffnet diese, blickt hinein und verzieht das Gesicht.
„Oh. Naja. Shit happens.“

Dusche

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Als ich vierzehn Jahre alt bin, beschließe ich, mir mit einer Rasierklinge die Arme aufzuschneiden. Also, nicht die Schlagader sondern die Oberseite des linken Unterarms. Ich habe das bei mehreren Menschen in meinem sozialen Umfeld gesehen und bin fasziniert von der morbiden Form der Selbstzerstörung und der Aufmerksamkeit, die diese dadurch bekommen.

An einem Abend schließe ich mich in meinem Zimmer ein, packe eine Rasierklinge aus und versuche erst einmal, ein ganz kleines bißchen an meinem Arm zu ritzen. Es tut total weh, aber bald stelle ich fest, daß es garnicht mehr wehtut, wenn man mehr drückt. Fasziniert beobachte ich, wie die aufgeplatzte Haut erst weiß hervorscheint, bevor sich die Kerbe mit Blut füllt. Dabei höre ich Tiamat. Nach mehreren Kerben höre ich auf und fühle mich seltsam stumpf und taub.

Obwohl ich in den darauffolgenden Tagen darauf achte, nur langärmelige Shirts zu tragen, entdeckt meine Mutter die Narben einige Zeit später, glaubt jedoch meiner Ausrede, ich sei mit einem Fahrrad im Stacheldrahtzaun hängengeblieben. Sie leidet zu der Zeit an tagelangen Migräneanfällen, die sie mit einem Haufen Schmerzmittel und Alkohol bekämpft und liegt tagelang in ihrem verdunkelten Zimmer.

Blöderweise heilen die Verletzungen nicht ganz, sondern hinterlassen breite Narben. Noch heute sieht man diese an meinem Arm und ich verfluche mich jeden Frühling, wenn die T-Shirt-Zeit losgeht für meine damalige pubertäre Blödheit.

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Juli 2015
Maria öffnet mir die Tür. Sie trägt hohe Schuhe, halterlose Strümpfe, einen kurzen Rock und ein enges schwarzes Oberteil. Wir umarmen uns, dann bittet sie mich in ihr Wohnzimmer.
„Willst du was trinken?“
„Äh, danke, grade nicht“, druckse ich herum. Sie nimmt einen Schluck aus ihrem Weinglas.
„Bist du eingeschüchtert?“
„Ja,“ gebe ich zu.
„Gut!“ Sie nimmt einen Zug von ihrem Joint, setzt sich neben mir aufs Sofa und schaut mich an.
„Noch irgendwas zu sagen?“
„Ääääh, nein? Was hast du vor?“
„Wir machen jetzt ein bißchen so Schweinkram.“
„Äh, okay, äh.“
„Für den Anfang könntest du vielleicht meine Fotze lecken.“ sagt sie und spreizt die Beine.
„Äh…äh…äh… das ist aber nicht safe, oder äh?“
„Ach herrje, jaaa, die Hygiene, das habe ich ja ganz vergessen…“ meint sie und fügt NICHT hinzu „daß du so ein nerviger Schisser bist“.
„Dann nimm eben deine Hand!“

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2 Antworten auf „Nein Mama, diesen Text willst du nicht lesen.“


  1. 1 Maria Magdalena 24. April 2017 um 21:59 Uhr

    Danke dafür

  2. 2 Mapec 11. Mai 2017 um 12:01 Uhr

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