FRAGEN AN GOTT.

Die Frage ob Gott existiert, ist sehr eng verknüpft mit der Frage nach dem Ursprung der Welt.

Die Wissenschaftler sagen, die Welt sei beim Urknall entstanden. Da sind sich die meisten von ihnen einig, und das nährt in mir den Glauben daran, daß es wahrscheinlich sei, daß ich mich dieser Haltung anschließen würde, hätte ich denn Zeit und Energie, Physik zu studieren und die wissenschaftlichen Indizien für jene Theorien selbst zu überprüfen.

gott

Aber hat irgendjemand Zeit und Energie hierfür? Wenn ich im Labor entsprechende Experimente mache und sich so für mich die Urknall-Theorie bestätigt…müsste ich dann nicht auch noch genau die Funktionsweise jedes einzelnen Bauteiles jedes einzelnen technischen Gerätes, welche ich zur Durchführung der Experimente benutzt habe, studieren, um sicherzustellen, daß diese mir die richtigen Daten liefern?

Das ist unmöglich und übersteigt die Fähigkeit jedes Menschen.

Dawkins, der „Papst der Atheisten“ sagt, Wissenschaft sei eben kein GLAUBEN sondern WISSEN. Aber wenn ich selbst, wie ich oben angeführt habe, auf ganz viele andere Menschen vertrauen muss (die die Geräte herstellen und andere wissenschaftliche Teilbereiche erforschen), ihnen also GLAUBEN muss, macht dieser Umstand das WISSEN von dem Dawkins spricht, nicht auch zu einem GLAUBEN?

Wissenschaft bedeutet, daß man die Erkenntnisse, die sie hervorbringt, jederzeit selbst überprüfen und bestimmte Experimente, die Theorien belegen und beweisen, selbst wiederholen kann und somit zum gleichen Ergebnis kommen kann.

Doch das kann man nur theoretisch. Denn jeder Wissensbereich stützt sich auf einen anderen Wissensbereich. Eine Erkenntnis in der einen wissenschaftlichen Disziplin stützt sich auf viele Erkenntnisse aus andere Disziplinen. Es ist ein Turm aus Wissen. Und wirklich zu WISSEN, würde bedeuten, die Konstruktionsweise des Turms von ganz unten her nachzuvollziehen und ihn nochmal aufzubauen um zu beweisen, daß er wirklich stabil steht.

Ich kann nicht tausende Jahre menschlicher Entwicklung wiederholen, und das macht Wissenschaft für mich persönlich auch zu einer Art GLAUBEN. Und das macht die Möglichkeit, daß Gott die Welt in sechs bzw. sieben Tagen geschaffen hat, genauso wahrscheinlich wie die Urknalltheorie.

Mal abgesehen davon, daß, sich zwischen den beiden Theorien entscheiden zu müssen, totaler Quatsch ist. Wenn Gott allmächtig ist, kommt sein Universum auch mit einem Paradoxon klar und beide Möglichkeiten können wahr sein. Vielleicht ist die Schöpfungsgeschichte auch nur eine Art poetischer Gruß von Gott, und keinesfalls wörtlich gemeint. Vielleicht hat er die Menschen, welche sie aufgeschrieben haben, so gemacht, daß sie diese Metaphern genau so weitergeben. Vielleicht vielleicht vielleicht.

Und dann gibt es da noch ein anderes Problem: Die Milliarden Angehöriger anderer Religionen.

Also. Gott schafft doch nicht 7 Milliarden Menschen, und dann macht er nur 2,3 Milliarden so, daß sie die richtige Religion haben. Und alle anderen liegen falsch und kommen am Ende in die Hölle oder was auch immer? Dann wäre Gott ja ein ziemlich großes Arschloch und das ist er ja laut der Bibel eben nicht.

Also müssen diese Religionen auch richtig sein. Vielleicht hat Gott jeden Menschen genau so geschaffen, wie er nunmal sein soll. Auch die Bösen? Jaaaa, das ist das Problem mit der Theodizee. Das erläutern wir hier nicht, weil dann sitze ich morgen noch hier.

Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, daß, wenn Gott existiert (was, wie ich oben beschrieben habe, auch nicht mehr oder weniger wahrscheinlich als seine Nichtexistenz ist), er mich so will, wie ich bin. Das ich die Bibel so lese, und so interpretiere wie ich es tue, und daß er mir schon die richtigen Zeichen und Menschen schickt, die mich so beeinflussen, wie es eben geschehen soll.

Moment man, alles ist also vorbestimmt….und was ist mit dem freien Willen?!

Äh…..

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3 Antworten auf „FRAGEN AN GOTT.“


  1. 1 Mapec 23. April 2012 um 19:44 Uhr

    Spannend.

    Mal sehen, ob es mich reizt, ein Essay zu schreiben (Arbeitstitel: Glaube und Glaubwürdigkeit).

    Spannend.

  2. 2 maria magdalena 24. April 2012 um 12:12 Uhr

    Die Gott Debatte: Der GOLDENE SCHNITT, DER GOettliche Schnitt…

    Zur Göttlichen Zahl und Polarität

    Gott – der Unerfassbare, der Unendliche. Wie oft wagen wir es, über Gott Aussagen zu treffen – und hoffen, meinen, sie träfen zu?

    Eine Möglichkeit über Gott zu sprechen, ist über die Art der Annäherung. Die Sprache dafür, besser geeignet als die Sprache der Worte, ist die Sprache der Zahlen, der Mathematik.

    Hierzu Gedankenreise zum Ursprung!!

    http://sadlove.de/wordpress/

    MEINE WORTE DAZU:
    Glauben ist nicht Wissen
    Glauben ist Vertrauen

    Liebe, Frieden, Dankbarkeit und Verzeihen

  3. 3 Hopi 28. April 2012 um 22:47 Uhr

    Ja, wirklich sehr spannend. Alles Fragen, die mich auch lange beschäftigt haben und zum Teil auch noch heute umtreiben.

    Zunächst zur Gottesfrage:
    Gottes Existenz kann man nicht beweisen, sondern nur erfahren, z. B. in der Natur, in der Begegnung mit anderen Menschen, bei der Lektüre sog. heiliger Schriften, beim Meditieren, in ekstatischen Momenten, in der Wüste, in der Konfrontation mit dem Sterben und dem Tod, auch im KZ, im Windhauch … Letztlich ist diese Erfahrung ein unverdientes Geschenk, eine Gnade, nicht machbar.

    Warum lässt Gott das Leid zu? Warum war Auschwitz möglich? Auch dazu ist die Literatur unermesslich. Gott kann unmöglich allmächtig sein (Sölle). Ich glaube auch nicht, dass er es ist. Aber er ist allgegenwärtig. Und Gott ist die Liebe; er liebt seine Schöpfung und seine Geschöpfe. Dem bisherigen Endprodukt der Evolution, dem homo sapiens, hat er Bewusstsein und Freiheit, Entscheidungsfreiheit, geschenkt. Der Mensch kann sich in diesem Leben für oder gegen ihn entscheiden. Er kann durch die Tür gehen oder draußen bleiben. Die Türmetapher findet sich theologisch sehr schön im Johannesevangelium Kap. 10 (Der gute Hirt) und philosophisch bei Kafka (Vor dem Gesetz). Hat mich immer sehr fasziniert, diese Geschichte vom Landmann, der sich vom Türsteher davon abhalten lässt, durch genau diese Tür zu gehen, die nur für ihn bestimmt war. …

    Der eine Gott und die vielen Religionen: Kein Problem auf der Ebene der Mystik. Der Eine (oder in Beziehung lebende Dreifaltige) offenbart sich auf je verschiedene Weise, zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen kulturellen Räumen. Für den zum Glauben gekommenen Christen ist Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben, der Königsweg. Für Andersgläubige gibt es andere Wege zum Heil, zur Erlösung, zur Erleuchtung. Deshalb plädiere ich für den interreligiösen Dialog, und habe auch selbst schon am buddhistisch-christlichen Dialog teilgenommen. Alle am Dialog Beteiligten lernen dazu, wenn sie auf der einen Seite in ihrer eigenen Tradition fest verwurzelt (wohlgemerkt nicht dogmatisch-fundamentalistisch)und auf der anderen Seite offen und empfänglich für die Wahrheit der anderen sind.

    Puh … Die Frage nach dem freien Willen. Ich sage nur „Hirnforschung“. Das Fass kann ich jetzt echt nicht mehr aufmachen. Nur so viel: Ich persönlich glaube, dass der Mensch relativ, oder besser relational frei ist, also den Umständen entsprechend. Absolute Freiheit gibt es nicht. Absolut frei ist (vielleicht) nur Gott. Laut Bibel hat er ja einen teuflischen Gegenspieler, der mit ihm um die Seelen der Menschen ringt. Das Böse ist zweifellos in der Welt. Aber ohne freien Willen gibt es auch kein verantwortliches Handeln. …

    Kleine Buchempfehlung zum Schluss (musste ja jetzt wieder sein):
    Anselm Bilgri, Gottesentrümplung. Warum es nicht verrückt ist, heute religiös zu sein. München 2011.

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