Archiv für April 2012

FRAGEN AN GOTT.

Die Frage ob Gott existiert, ist sehr eng verknüpft mit der Frage nach dem Ursprung der Welt.

Die Wissenschaftler sagen, die Welt sei beim Urknall entstanden. Da sind sich die meisten von ihnen einig, und das nährt in mir den Glauben daran, daß es wahrscheinlich sei, daß ich mich dieser Haltung anschließen würde, hätte ich denn Zeit und Energie, Physik zu studieren und die wissenschaftlichen Indizien für jene Theorien selbst zu überprüfen.

gott

Aber hat irgendjemand Zeit und Energie hierfür? Wenn ich im Labor entsprechende Experimente mache und sich so für mich die Urknall-Theorie bestätigt…müsste ich dann nicht auch noch genau die Funktionsweise jedes einzelnen Bauteiles jedes einzelnen technischen Gerätes, welche ich zur Durchführung der Experimente benutzt habe, studieren, um sicherzustellen, daß diese mir die richtigen Daten liefern?

Das ist unmöglich und übersteigt die Fähigkeit jedes Menschen.

Dawkins, der „Papst der Atheisten“ sagt, Wissenschaft sei eben kein GLAUBEN sondern WISSEN. Aber wenn ich selbst, wie ich oben angeführt habe, auf ganz viele andere Menschen vertrauen muss (die die Geräte herstellen und andere wissenschaftliche Teilbereiche erforschen), ihnen also GLAUBEN muss, macht dieser Umstand das WISSEN von dem Dawkins spricht, nicht auch zu einem GLAUBEN?

Wissenschaft bedeutet, daß man die Erkenntnisse, die sie hervorbringt, jederzeit selbst überprüfen und bestimmte Experimente, die Theorien belegen und beweisen, selbst wiederholen kann und somit zum gleichen Ergebnis kommen kann.

Doch das kann man nur theoretisch. Denn jeder Wissensbereich stützt sich auf einen anderen Wissensbereich. Eine Erkenntnis in der einen wissenschaftlichen Disziplin stützt sich auf viele Erkenntnisse aus andere Disziplinen. Es ist ein Turm aus Wissen. Und wirklich zu WISSEN, würde bedeuten, die Konstruktionsweise des Turms von ganz unten her nachzuvollziehen und ihn nochmal aufzubauen um zu beweisen, daß er wirklich stabil steht.

Ich kann nicht tausende Jahre menschlicher Entwicklung wiederholen, und das macht Wissenschaft für mich persönlich auch zu einer Art GLAUBEN. Und das macht die Möglichkeit, daß Gott die Welt in sechs bzw. sieben Tagen geschaffen hat, genauso wahrscheinlich wie die Urknalltheorie.

Mal abgesehen davon, daß, sich zwischen den beiden Theorien entscheiden zu müssen, totaler Quatsch ist. Wenn Gott allmächtig ist, kommt sein Universum auch mit einem Paradoxon klar und beide Möglichkeiten können wahr sein. Vielleicht ist die Schöpfungsgeschichte auch nur eine Art poetischer Gruß von Gott, und keinesfalls wörtlich gemeint. Vielleicht hat er die Menschen, welche sie aufgeschrieben haben, so gemacht, daß sie diese Metaphern genau so weitergeben. Vielleicht vielleicht vielleicht.

Und dann gibt es da noch ein anderes Problem: Die Milliarden Angehöriger anderer Religionen.

Also. Gott schafft doch nicht 7 Milliarden Menschen, und dann macht er nur 2,3 Milliarden so, daß sie die richtige Religion haben. Und alle anderen liegen falsch und kommen am Ende in die Hölle oder was auch immer? Dann wäre Gott ja ein ziemlich großes Arschloch und das ist er ja laut der Bibel eben nicht.

Also müssen diese Religionen auch richtig sein. Vielleicht hat Gott jeden Menschen genau so geschaffen, wie er nunmal sein soll. Auch die Bösen? Jaaaa, das ist das Problem mit der Theodizee. Das erläutern wir hier nicht, weil dann sitze ich morgen noch hier.

Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, daß, wenn Gott existiert (was, wie ich oben beschrieben habe, auch nicht mehr oder weniger wahrscheinlich als seine Nichtexistenz ist), er mich so will, wie ich bin. Das ich die Bibel so lese, und so interpretiere wie ich es tue, und daß er mir schon die richtigen Zeichen und Menschen schickt, die mich so beeinflussen, wie es eben geschehen soll.

Moment man, alles ist also vorbestimmt….und was ist mit dem freien Willen?!

Äh…..

HELL BENT FOR HANNI, Folge 2

Eine weitere Folge der YOHAZID-Unterhaltungsshow. Ist weder lustig noch sonstwas aber wenn man Urlaub hat und sich langweilt macht man sowas halt….

SHIT HAPPENS.

„WER ist dafür verantwortlich?!“
Der Chef hat seinen bösen Blick und alle ducken sich. Der Chef ist eigentlich ein sehr sanftmütiger Mensch. Aber in dem Moment, in dem er erfährt, daß man etwas verkackt hat, ist man am besten weit, weit weg.
„Mh. Äh ja. Ich hatte an dem Tag Dienst.“ druckse ich herum.
„Herr Giesemann! Das kommt nicht mehr vor, ist das klar?!“ Er starrt mich wütend an. „Das ist SCHEISSE wenn sowas passiert!“
„Äh okay.“ murmelt Herr Giesemann in seinen Bart.
„Na gut.“
Der Chef blickt in die Runde, die um den großen Tisch im Besprechungsraum versammelt ist und atmet laut aus.
„Okay, was gibts sonst so zu besprechen?“
Ich denke nach und meine Augen fallen auf den Dienstplan, der an der Wand hängt.
„Moment mal, am Dienstag war ich gar nicht da!“
„Oh….“ platzt es aus meinem Kollegen Holger raus. DER war zuständig gewesen.
Der Chef verdreht die Augen.
„Na ist ja egal jetzt. Wir müssen weiterkommen.“

Nach dieser Dienstbesprechung beschließen die Kollegen und ich, daß wir, wenn jemand Scheiße baut, erstmal den vorschicken, der garnicht wirklich schuld war und den wirklichen Depp erst dann dem Chef vorführen, wenn der nicht mehr wütend ist.

Der Chef ist super. In sozialen Einrichtungen wird ja gern alles ausdiskutiert. Das dauert immer Stunden, man hält sich ewig an Kleinigkeiten auf und bekommt GAR NICHTS gebacken. Jeder ist darauf aus, daß seine eigene Meinung zu jedem Furz gehört und beachtet wird. Das macht Teamsitzungen zur Hölle.

Bei uns nicht. Nach einigen Minuten sagt der Chef „Okay. Wir müssen weiter kommen. Wir machen das jetzt so und so NICHT.“
Dann sagt immer noch jemand „Ja aber…“ und der Chef sagt „Thema ist durch. Ich bin der Chef, ich entscheide und wir machen das jetzt so. Nächster Punkt?“. Das ist sehr beruhigend.

Die Kollegen sind nicht so pflegeleicht wie der Chef. Da ist zum Beispiel der, der ALLES verpeilt. Das ist nicht mehr witzig, wenn es ums Medikamenteverteilen geht. Oder um irgendwelche Injektionen, die aufgezogen zwei Tage lang im Kühlschrank rumliegen, weil keiner weiß, daß das Zeug dann hochgiftig wird.

Er ist schwul und hat mir schon am Anfang erzählt, daß er ein sehr wildes Partyleben hatte und jede Droge ausprobiert hat, die es gibt. Das hat Spuren hinterlassen. Die Drogen, nicht das Schwulsein. Das erwähne ich nur, damit man den folgenden Absatz versteht:

Abwechselnd hat jeder von uns jeweils eine Woche Rufbereitschaft und muß dazu das Diensthandy ständig bei sich führen um im Zweifelsfall innerhalb einer halben Stunde in der Einrichtung sein zu können. Als der oben angesprochene nach seiner Woche Bereitschaftsdienst das Diensthandy an die Kollegin weitergibt, findet diese im SMS-Speicher eine Nachricht, die da lautet: „Habe Interesse. Schwanzlänge?“

Die Kollegin, die besagte SMS findet und mir grinsend zeigt, ist auch nicht ganz ohne. Sie ist nicht so verpeilt, aber sie arbeitet prinzipiell eher wenig. Andere Kollegen bezeichnen sie als faul. Ich nicht. Denn in der Zeit, wo wir Sachen erledigen, sitzt sie mit Bewohnern im Raucherzimmer und beschäftigt sich wirklich mit denen. Sie ist Altenpflegerin und hat einer sehr, sehr direkte und pädagogisch kaum reflektierte Art. Das provoziert Konflikte und mit ihr zu arbeiten ist nicht unanstrengend, aber die Bewohner mögen sie. Irgendwann erzählt sie, daß sie ihren Führerschein verloren hat. Das hält sie nicht davon ab, am ersten Weihnachtsfeiertag mit dem Dienstauto zur Tanke zu fahren und Tabak fürs gesamte Wohnheim zu kaufen. Als das rauskommt, gibt es nichtmal schlimmer Ärger, weil es jeder eigentlich ziemlich cool von ihr findet, zwei Vorschriften zu verletzen (ohne Führerschein mit dem Dienstwagen fahren und das Wohnheim zu verlassen wenn kein anderer Mitarbeiter im Dienst ist) um Tabak für die Bewohner zu holen.

Manchmal wird sie von ihrer Mutter, die um die Ecke wohnt, mitsamt Hund bei der Arbeit besucht. Das geht EIGENTLICH garnicht. Persönliche Familienbesuche bei der Arbeit in einem Wohnheim für psychisch Kranke. Aber die beiden haben eine ähnliche Sozialisation wie viele Bewohner und so lesen die gemeinsam die Bildzeitung oder schauen sich im Raucherzimmer irgendwelches Hartz4-Fernsehen an. Tatsächlich beschwert sich keiner der Bewohner jemals über die Anwesenheit der Mutter der Kollegin – und die Bewohner beschweren sich zu dieser Zeit ständig über ALLES.

„Herr Giesemann, da sind Flecken auf dem Geschirr!!!!“
„Das sind Wasserflecken. Vom Spülen. Das bedeutet, daß das Geschirr sauber ist.“
„Scheißladen hier!“
„Hallo?! Jetzt kommense mal runter! Das ist ein Wohnheim für psychisch Kranke, kein HOTEL!!!“

Solche Gespräche führe ich oft mit einigen Bewohnern, die das Bewusstsein über ihr leider wirklich schlimm schiefgegangenes Leben durch Beschwerden kompensieren.

Der verpeilte Kollege bekam seinen Vertrag übrigens nicht verlängert. Eines Tages treffe ich ihn in der U-Bahn, da erzählt er mir, daß er schon seit Ewigkeiten einen Bandscheibenvorfall hat und starke Schmerzen und deswegen bei der Arbeit immer auf Tilidin und deshalb so verpeilt war.

Der Fairness halber sei erwähnt, daß auch ich selbst ab und zu Scheiße gebaut habe. Das Best of:

- Arztbericht der Uniklinik nicht richtig gelesen, und dadurch einem Bezugsklienten über Monate hinweg ein Herzmedikament NICHT gegeben.
- Nochmal Arztbericht einer anderen Bezugsklientin nicht richtig gelesen und dadurch nötige Nachsorgeuntersuchungen (Speiseröhrenverengung) nicht eingeleitet – das hat RICHTIG Ärger gegeben.
- Medikamente falsch gestellt, Medikamente falsch ausgegeben – passiert jedem immer mal wieder, ist trotzdem der Klassiker der Beschissenheit.
- und tausend andere Kleinigkeiten. Shit happens.