Archiv für Februar 2011

Urbane Raumfahrt.

spargel

Es war ca. zwei Uhr nachts, und ich sah aus dem Fenster. Wieso der Frankfurter Fernsehturm nachts ausgerechnet in der Farbe PINK leuchtet, habe ich nie verstanden.

Irgendwann im Jahr 2002 begann ich, Zivildienst zu machen. Das war garnicht sooo einfach gewesen, denn tatsächlich wollte mich der Arzt im Kreiswehrersatzamt ausmustern.

„Wollen Sie nicht doch mal lieber noch Ihren Rücken röntgen lassen? Das sieht irgendwie nicht so gut aus…“ – Alter, das ist MEIN Text!

Wahrscheinlich bekommt man in diesem Job ziemlich schnell eine gewisse Menschenkenntnis und so war dem guten Mann von vorneherein klar, daß jegliche militärische Betätigung nichts für mich ist. Das Ding war nur: Mein damaliger Job ödete mich so grandios an, daß ich tatsächlich unbedingt Zivildienst machen wollte, und so wurde ich als gerade mal so eben tauglich (T4) befunden.

Ich landete dann in einer Frankfurter Schule für Kinder mit „Körperbehinderung“ – und da das Gehirn halt nun mal eben ein Teil des Körpers ist, lag bei fast allen Schülern auch eine geistige Behinderung vor.

Zivi zu sein war ziemlich cool. Man konnte mit den Kids rumalbern, hatte das Gefühl, etwas Nützliches zu tun, aber fast keine Verantwortung. An der Schule gab es fast zehn Zivildienstleistende, insofern war man nicht alleine, und man war noch jung genug, sich nichts draus zu machen, das unterste Glied in der Karrierekette zu sein. Die Kehrseite der Medaille war dann, daß wir Zivis für alles verantwortlich waren, was mit Körperflüssigkeiten zu tun hatte. Zu dritt in der Vormittagspause Windeln zu wechseln, machte aber irgendwann Spaß. Wir hatten einen Ghettoblaster im Bad, auf dem Punkrock lief – oder komischer Techno, den der pilzessende Kollege aus Friedrichsdorf im Taunus mitgebracht hatte. Jeden Morgen bestand unsere Aufgabe darin, die Kinder, die mit den Fahrdiensten aus der ganzen Stadt herangekarrt wurden, aus den Bussen zu laden, samt ihren Rollstühlen, mit automatischen Rampen. Der Hof der Schule war dann so etwas wie ein großes Flugzeugträgerdeck, und wir waren eben das glorreiche Bodenpersonal, ohne das nichts geht. Als ein Typ, der damals nichts von der Gesellschaft hielt – und zwar GARnichts! – war es schon ganz schön beeindruckend, daß dieses System, so saudumm es auch war (oder ist), tatsächlich etwas Positives hervorgebracht hat. Und zwar, daß selbst Kinder mit allerschwersten Behinderungen, die keinerlei Regung zeigten, eine Lebenserwartung von fünfzehn Jahren hatten, die in speziellen Sitzschalen transportiert wurden und selbst im Alter von zwölf Jahren nur 25 Kilo wogen…daß selbst diese Kinder tatsächlich in die Schule transportiert werden, daß tatsächlich auch die nicht vergessen sind und ihren Platz in der Gesellschaft haben. Vielleicht ist das auch was, das nicht DANK sondern eben TROTZ dem Schweinesystem funktioniert. Das machte es für jemanden wie mich, der immer dafür kämpfte, NICHT ein Teil der Gesellschaft sein zu wollen, umso beeindruckender.

Nach dem Zivildienst fand ich Arbeit bei einem Pflegedienst, der Menschen mit allen möglichen Behinderungen in der gesamten Stadt betreute. Und zwar bei einem, dessen Träger ein Verein war, der sich seit den siebziger Jahren die Integration von Menschen mit Behinderung auf die Fahnen geschrieben hatte. Das machte die ganze Sache ideologisch ziemlich korrekt für mich und machte einen Großteil meiner Motivation für die Arbeit aus. Viele der „Kunden“ (so wurden die genannt, um ihren Status als selbstständige Menschen herauszuheben) hatten eine ständige Betreuung, rund um die Uhr. Eine meiner ersten Schichten leistete ich bei einem fast vollständig gelähmten Herrn um die fünfzig ab, der in einer Wohnung in Neu-Isenburg lebte. Die Schicht begann um achtzehn Uhr abends und dauerte bis neun Uhr morgens am nächsten Tag. Ich hatte Glück. Der Kunde wollte nichts tun, als vor dem Fernseher sitzen, James Bond sehen und Malboros rauchen. Er war wortkarg, aber viel zu sagen gab es eh nicht. Gegen zwei Uhr nachts wollte er zu Bett gehen und ich durfte mich ebenso hinlegen. Ich saß morgens in der S-Bahn, kam von der Arbeit und freute mich auf mein Bett.

Viele Male betreute ich einen anderen Herrn in einem Wohnblock in Frankfurt, in dem lauter behindertengerechte Wohnungen waren. Er war ca. vierzig Jahre alt, stark spastisch gelähmt und arbeitete in einer örtlichen Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Der Ausdruck „geistige Behinderung“ wurde bei meinem damaligen Arbeitgeber als diskriminierend empfunden – eine löbliche Haltung, die leider nicht immer praktikabel ist. Denn vor allem wenn man einen Menschen, den man betreuen soll nicht gut kennt, kann das Wissen um eine kognitive Einschränkung auch für diesen Menschen viel vereinfachen.

Meine Schicht begann auch dort am Wochenende meist gegen achtzehn oder neunzehn Uhr, der Kunde begab sich meist gegen elf Uhr ins Bett und dann gab es wenig zu tun – außer ihn auf die Toilette zu setzen wenn er nachts den Schwesternruf betätigte. Da ich befürchtete, dieses DINGDONG im Schlaf nicht zu hören, blieb ich meist die ganze Nacht lang wach und sah mir Filme auf seinem Videorekorder an. Und sah eben aus dem Fenster, wo ich Blick auf den pinkfarben leuchtenden Fernsehturm hatte. Die Beleuchtung wird übrigens irgendwann nachts abgeschaltet, wie ich feststellen musste.

Unter der Woche klingelte um halb sechs Uhr morgens sein Wecker. Ich musste ihn waschen und anziehen. Meistens lag der Kunde noch dösend im Bett, während ich bei ihm Intimpflege durchführte und ihn anzog. Wenn man so einen Job macht, sollte man damit klarkommen, daß Menschen in solchen Situationen Erektionen bekommen. Was soll man von jemandem erwarten, der rein körperlich nicht in der Lage ist, sich selbst im Intimbereich zu berühren und insofern hypersensibel sein muß.

Damals hatte Frankfurt noch einen sehr besonderen Zauber für mich, den ich leider in den letzten Jahren durch Gewöhnung nicht mehr wahrgenommen habe. Wahrscheinlich ist es mit Städten wie mit Jobs, wenn man über Jahre hinweg jeden Tag denselben Situationen und Eindrücken ausgesetzt ist, setzt eine gewisse Betriebsblindheit ein und man nimmt die kleinen poetischen Nuancen nicht mehr war. Ich fuhr jeden Tag mit der Bahn, stieg in der Galluswarte ein und aus, große Kopfhörer auf den Ohren, zu jener Zeit hörte ich noch viel Rap und Hiphop, bevorzugt spacigen Kunststudentenrap aus New York, der damals auf dem Label Def Jux erschien. Das gesamte erste Soloalbum von EL-P, „Fantastic Damage“ oder „The Cold Vein“, von Cannibal Ox, deepe Beats über Flächensynthies mit irren Raps, die Geschichten erzählten von Galaxien aus Eisen, der Luft im Weltraum oder tiefergelegten Massezertrümmerern. Oder Aesop Rock mit irren Geschichten über die Blitz-Flut einer Psychose…Und dabei sah ich aus dem Fenster, wenn die S-Bahn vor dem Hauptbahnhof unter die Erde tauchte. Ich kam gegen elf Uhr abends im Sommer von der Arbeit und durchquerte den Bahnhof, wo ich umsteigen musste, und die Züge an den Bahnsteigen wirkten wie riesige weiße Wale auf mich, oder wie Raumschiffe auf dem Weg zu anderen Planeten. Dann fuhr ich nach Hause, ins Gallusviertel, und legte mich in mein Bett, über dem die Wand mit Karten der Stadt vollgehängt war. Oder ich hörte Steve Reichs minimalistische Klanglandschaften morgens auf dem Weg zur Arbeit, sah den Verkehr auf der Eschersheimer Landstrasse, wenn die gelben Lichter der Müllabfuhr durch den noch dämmernden Morgen leuchteten….

Manchmal wenn ich im Bett liege und keinen Schlaf finden kann, stelle ich mir vor, ich läge in einem Raumschiff, das in der Stille des Weltalls im Orbit des Jupiters hängt. Dann vergesse ich, daß ich nur einer von hundertausenden Menschen in dieser Stadt bin, die wie in Regalen in einem großen Warenlager über- und nebeneinander gestapelt sind und finde ein wenig Ruhe.

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Das Erste, was wir sehen, als wir in Altötting ankommen, sind ein paar jugendliche Typen mit White-Power-Shirts. Basti und ich können uns nur knapp zusammenzureißen, die nicht mit den beiden VW-Bussen zu überfahren. „Rechtsradikale Provinzjugendliche von Bussen einer Frankfurter Behindertenwerkstatt überrollt!“ – das wär doch mal ne Schlagzeile gewesen!

Wir checken mit unserer kleinen Reisegruppe im behindertengerechten Hotel der Caritas ein. In Oberbayern bedeutet das: In jedem Zimmer ein Kruzifix an der Wand, ein Weihwasserspender neben dem Lichtschalter und im Speisesaal stehen Madonnenstatuen. Im Eingangsbereich hängen Werbeplakate aus für die „Papst-CD“, die man käuflich erwerben kann.

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Also gehen wir am ersten Tag die Stadt besichtigen. Blablabla Papst blabla Kommerz blabla. Ratzinger ist jetzt voll Mainstream geworden. Ich mochte seine frühen Alben lieber, als er noch Underground war. Jetzt macht er irgendwie so gefällige Popmucke, es ist nicht mehr so ursprünglich und roh wie früher, und irgendwie ist auch der gefährliche Outlaw-Touch der Frühwerke verlorengegangen. Aber der Mann wird ja auch älter und muss sehen, wie er seine Rente zusammenbekommt.

Daß der gute Langhaarige aus Nazareth die ganzen Händler, die um die größte Kirche in Altötting ihren pseudoreligiösen Kunsthandwerksklimbim verscheuern, mal eben mit dem Gürtel (zielsicher auf den Enddarm!) zum nächsten Pennymarkt peitschen würde, erwähnte ich ja in einem anderen Kapitel schon. Ich bereue aber immer noch, daß ich mir kein Benedikt-Tourshirt gekauft hab…

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Am zweiten Tag machen wir uns auf, eine Burgruine in der Gegend zu besichtigen, was ganz nett ist. Und wir überqueren die Grenze nach Österreich. Diesen Schritt taten aber schon Menschen vor uns, insofern stufe ich diesen Tag jetzt mal als nicht allzu spektakulär ein.

Anstrengend wird die Reise deshalb, weil die Kollegin, die mit mir im Bus unterwegs ist, diese anstrengend macht. Die Klienten (zwei Rollstuhlfahrer mit Hemiparese, ein Autist und ein älterer Herr mit mittelschwerer geistiger Behinderung, z.N. Apoplex und daraus folgender Demenzsymptomatik) sind gechillt, nur sie geht mir SOWAS von auf den Sack. Fr. Grzwbshmnhkwpbkowski (Name von der Redaktion geändert), wird von allen Klienten aufgrund ihres für Menschen mit schwacher Mundmotorik nur sehr schwer auszusprechenden polnischen Nachnamens lediglich „Hoschki“ genannt und keiner weiß, wie sie an den Job gekommen ist. Sie ist fast sechzig Jahre alt und erzählt immer wieder stolz, wie sie vor hundert Jahren in Polen Pädagogik studiert hat und ein bißchen so sind auch ihre Methoden. Keine Ahnung, ob die Pädagogik in Polen zur Zeit des Kommunismus rückständig war, ihre ist es. Was nicht so schlimm für MICH wäre, wenn nicht ihr ständiges Gejammer wäre. Ihr passt dies nicht und jenes nicht, ihr ist zu warm oder zu kalt und „är hat mikk gäspuckt!“ hundertmal pro Tag zu hören, weil Henry, der Autist, nun mal Hypersalivation hat (= erhöhter Speichelfluß = Sabbern) wird einfach irgendwann langweilig.

Am dritten Tag geht es in die Berge. Alfred, der demente Herr mit dem Schlaganfall, deutet mit einem zitternden Zeigefinger aus dem Fenster des Busses und sagt „Heidi!“. Wir steuern die Touristenfalle Königssee an und fahren mit einem dieser Kähne drüber. Mitten auf dem See steht Alfred auf und will irgendwohin laufen und ist davon nicht abzubringen, auch nicht mit dem Argument er sei nicht Jesus und es sei deshalb ein Problem für ihn, in einem Boot aufzustehen und irgendwo hingehen zu wollen. Die Schulklasse, die auch an Bord ist, glotzt unsere Klienten unverhohlen an. Scheinbar bringt man Kindern heutzutage nicht bei, daß wir alle so enden können.

Schließlich wollen wir noch eine krasse Aussicht genießen und fahren mit den Bussen die Serpentinenstrasse zum Obersalzberg hoch. Der ältere Bus, den ich mit Hoschki fahre (die sich panisch festklammert), säuft irgendwann ab weil der Motor vor der Steigung in die Knie geht – hinter uns ein LINIENBUS, der mit Lichthupe drängelt. Also als Fahrer des Führers hätte ich mich schonmal nicht bewerben können. Mist!

Ansonsten gibt es Rumgehänge im Caritashotel. Mein Zimmer mit Alfred zu teilen ist nicht immer leicht, denn wenn man ihn lässt, läuft er ohne jede Orientierung aus dem Haus und ist dann erstmal weg. Also liegt er morgens, während ich noch unter der Dusche stehe, wach rum, rüttelt am Bettgitter und schreit das Haus zusammen, daß er hier festgehalten werde. Immerhin ist das nicht gelogen.

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Eine Weile lang trafen wir uns im Sommer jeden Abend am Mainufer in der Innenstadt. Eine lose Ansammlung Bekannter, die sich gegenseitig sympathisch fanden. Ich hatte sechs Wochen lang Urlaub – soll heißen, ich hatte Mitte Juli meinen Job gekündigt und wollte Anfang September meine Ausbildung beginnen. Ich hatte an einer Schule gearbeitet und stand vor der Wahl, noch sechs Wochen lang im Pflegedienst zu arbeiten oder eben meinen Dispositionskredit auszureizen. Fatale Fehlentscheidung? Vielleicht. Aber immerhin konnte ich sechs Wochen lang rumhängen, und für jemanden, der nie studiert hat, ist das wie ein schöner Rückfall in die Schulzeit, nur ohne bei den Eltern zu wohnen und so.

Also hingen wir, sofern es das Wetter zuließ, am Main ab, auf einer Decke auf dem Grünstreifen am Ufer. Mit einem MP3-Player, an den Boxen angeschlossen waren und auf dem meistens Sublime lief. Gegen halb ein Uhr nachts machten wir uns auf den Weg nach Hause. Stefan konnte in seinem Job anfangen wann er wollte, Niklas hatte sowieso erhebliche Schlafstörungen, Miriam (die wir ein paar Wochen vorher noch in der Klapse besucht hatten) war dauerkrankgeschrieben, Rick Student und was Manu und Nathalie damals so trieben weiß ich nicht mehr. (Alle Namen wurden von der Redaktion geändert).

Ich weiß nur, daß es etwas romantisches hatte, jeden Abend die Skyline am anderen Ufer zu sehen, manchmal bei Kerzenlicht dazusitzen und sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Irgendwann gab es halt nichts mehr zum drüber reden aber das war dann auch egal. Manchmal gesellte sich auch Fr. P. zu uns, die damals noch in Sachsenhausen um die Ecke wohnte.

Wir waren ein kleines Grüppchen, das, was die Weltanschauung anging, perfekt harmonierte. Soll heißen: Die Welt ist böse und traurig und hasst uns alle. Eine Gruppe depressiver Leute, die viel blöderes mit ihrer Zeit anfangen hätten können.

Eines Freitagabends beschlossen wir, einfach dort am Main zu übernachten. Das war bis etwa ein Uhr nachts so wie jeden Abend, dann wurde es aber echt ungemütlich, langweilig und es zog sich. Wir hatten uns zu Ziel gesetzt, bis zum Sonnenaufgang zu bleiben. Es war zwar schon so gegen sechs Uhr morgens hell, der wirkliche SonnenAUFGANG war aber erst gegen sieben. Und das war laaaaang und irgendwann war es dann trotz Sommers auch kalt. Und der Grünstreifen wurde oberunbequem. Als ich drauf und dran war zu sagen „Okay Leute, scheiß drauf, ich lauf heim!“ wurde mir das per Gruppenzwang untersagt.

Schließlich mussten wir alle wieder morgens aufstehen. Irgendwann im September traf ich mich mit Ricky nochmal an unserem Platz. Es war kalt, bewölkt und der Sommer war vorbei.

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Es war unglaublich kalt in Hamburg. Dort war meine Mutter hingezogen, der Liebe wegen. Zu jener Zeit aß ich nur Obst und Gemüse und trank Literweise Cola Zero und Tee mit Massen von Süßstoff. Es war Winter und mir war nur kalt, die ganze Zeit.

In Hamburg war das Streusalz ausgegangen, und so hatte sich in der ganzen Stadt eine Schicht aus Eis ausgebreitet, auf der die Menschen so herumrutschten. Die Alster war zugefroren und auch im Hafen trieben Eisschollen, es war also fast so, als sei man in einer Stadt in Nord-Norwegen. Ich verabredete mich mit einer Internetbekanntschaft, einfach so, aus Langeweile und wir saßen in St. Pauli in einer Sexuellerandgruppenkneipe und ich trank Pfefferminztee. Der Abend war jetzt nicht besonders, ich erinnere mich an keines der Gesprächthemen, nur, daß am Tisch nebenan irgendein Bondage-Workshop stattfand, was man aber irgendwann auch unter „Normal. Wo sind denn die Toiletten? Der Tee treibt so.“ verbucht.

Am nächsten Tag ging ich ins Schwimmbad. Also vormittags, unter der Woche, in ein Schwimmbad in Hamburg-Bahrenfeld. Das ist das bessere-Leute-Viertel. Wer geht da um diese Tageszeit ins Schwimmbad? Genau. Rentner und Mütter mit Kindern. Und so wurde, kaum daß ich zwei Bahnen geschwommen war, die Schlagermucke angestellt. Ja toll. Dafür habe ich FÜNF Euro Eintritt für zwei Stunden bezahlt? Alter! Zum Glück hört man unter Wasser nicht soviel. Und ins Kinderbecken auszuweichen wäre irgendwie komisch gewesen.

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Eines der coolsten Dinge, die ich in meinem Leben gesehen habe war die totale Sonnenfinsternis 1999. Ich lebte noch in Augsburg, das sich zu dieser Zeit in dem knapp hundert Kilometer breiten Streifen lag, den der Kernschatten des Mondes über die Erdoberfläche zog. Den ganzen Tag über war es bewölkt, doch als ich zu meinem Kumpel Jakob fuhr, um mit ihm rumzuhängen und die Sonnenfinsternis anzuschauen, zogen die Wolken auf.

Als es schließlich soweit war, standen wir auf einer Wiese in Augsburg. Plötzlich wurde es dunkel, erst war es, wie wenn sich Wolken vor die Sonne ziehen – und dann wie ein Sonnenuntergang in Zeitraffer. Es wurde kalt und Wind kam auf. Ich kann mich nicht erinnern, ob die Vögel wirklich zu zwitschern aufhörten – aber wir hörten auf zu reden und sahen nach oben. Da war dieser goldene Ring im dunklen Himmel, der nach allen Seiten gleißte. Zwei Minuten lang.

Wir brauchen endlich interplanetare Raumfahrt!

sol

Der Geruch ihrer Haare, jugendliche Verwirrungen und der Höhepunkt einer Karriere.

Die erste Berührung ist meist die intensivste. Vielleicht sollte man sorgsam mit Berührungen umgehen, um ihre Intensität nicht durch Gewöhnung herabzusetzen. Als sie kurz ihre Hand auf meine Schulter legte, war das Gefühl viel stärker als jenes, das ich hatte, als sie nackt auf mir saß.

Vielleicht stimmt es tatsächlich, daß wir manchen Dingen den Zauber nehmen, indem wir so tun, als seien sie normal und uns täglich damit konfrontieren.

Schon als sie am Bahnhof auf mich zukam und mich umarmte, hatte ich ein Problem, meine Erektion zu unterdrücken. Und als wir den ganzen Abend nebeneinander auf meinem Sofa saßen und „Brazil“ sahen, war jede zufällige Berührung wie eine Zuführung von Energie, die die Spannung erhöhte, bis sie sich plötzlich in einem Feuerwerk entlud. Das klingt jetzt furchtbar bemüht und kitschig, war aber so.

Und meistens sind es die kleinen Details, an welche man sich erinnert. Zum Beispiel an den Geruch der anderen Person, an den Geruch ihres Atems, an den Ausdruck in ihrem Gesicht, wenn man es von ganz nah betrachtet, wenn es soviel anders aussieht als im alltäglichen Umgang. Und nicht zuletzt spielt die Projektion dessen eine Rolle, das man in die Persönlichkeit der anderen Person legt. Um es mal so zu sagen: Ich meine festgestellt zu haben, daß es mich komplett langweilt, alles vorher abgesprochen zu haben und ausgemacht zu haben, daß es sich um einen neutralen gegenseitigen Austausch von Bedürfnissen handelt, nach welchem man auseinandergeht mit einem Händedruck und „schönen Tag noch!“ sagt, wie wenn man sich in der Bäckerei diese leckeren Kürbiskernbrötchen holt. Unser Leben ist so oft ohne Zauber. Gott ist widerlegt, wir haben dieses „Eins plus Eins istgleich Zwei“-Weltbild und es funktioniert. Es ist das Newton-Weltbild, das Ursache-Wirkung-Weltbild des neunzehnten Jahrhunderts. Es bringt Flugzeuge zum Fliegen, Eisenbahnen zum Fahren und sagt mir:

„Johannes. Wenn du jetzt an irgendwas außerhalb dieses Systems glaubst, wo hörst du auf, daran zu glauben? Glaubst du dann auch an Homöopathie? Glaubst du dann auch daran, daß es Dinge gibt, die man als ÜBERNATÜRLICH bezeichnen würde? Und wenn ja, wo fängst du damit an, diesen Glauben anzuwenden? Wenn du an Gott glaubst, wäre es dann nicht konsequent, an jeden Scheiß zu glauben, wofür das rationale Weltbild keine Erklärung hat? Und wieso stürzt du dich dann nicht aus dem Fenster, es könnte ja dann genauso gut auch sein, daß es dich garnicht umbringt – sondern daß du fliegen kannst?“

Um es kurz zu machen. Da ist dieser Konflikt. Wissenschaftlich gesehen haben wir jetzt zwar die Relativitäts- und die Quantentheorie, die das Newton-Weltbild schon längst ausgehebelt haben – aber im alltäglichen Leben, und das muß man mal so sagen, sind beide ein Economy-Class-Ticket in die Psychiatrie.

Das was bleibt, ist die Religion. Und Sexualität und Liebe. Beides kann man rationalisieren. Der Guru der Atheisten, Richard Dawkins, würde uns erklären, daß Gesellschaften, deren Mitglieder durch gemeinsame religiöse Rituale zusammengeschweißt würden, auf Dauer durchsetzungsfähiger waren oder sind und sich deshalb evolutionär eine Neigung zu religiösem Glauben beim Menschen herausgebildet habe. Und er würde ebenso argumentieren, wenn es um Liebe und Sexualität geht. Blablabla Pheromone blabla Evolution blablabla durchsetzungsfähig bla. Klingt absolut logisch, ist eine einfache Erklärung, die fast jedem einleuchtet – und ist absolut trostlos und deprimierend.

Ich will, daß es etwas Besonderes bleibt, ihr durch die Haare zu streichen und nachts ihren warmen Körper neben meinem im Bett zu spüren. Und deshalb müssen wir lernen, je nach Situation eines der beiden Weltbilder anzuwenden. Und die Kunst ist es wohl, in der richtigen Situation die richtige Herangehensweise zu wählen. Oder beide gleichzeitig, und damit das Paradoxon wählen, für das unsere Existenz sowieso steht.

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Als ich zwölf Jahre alt war, war ich total fasziniert von Punkrock. Und ich wurde selbst so etwas wie ein Punker, obwohl ich immer brav genug war, mir KEINEN Iro zu rasieren. Es war diese Lebensphase, in der man als Jugendlicher aus bürgerlichem Hause erkennt, daß all die Werte, die einem als Ideal eingetrichtert wurden, in der Welt da draußen einen feuchten Dreck wert sind. Ehrlichkeit, Fleiß, Intelligenz – interessiert leider keinen. Und aus dieser Erkenntnis entsteht Wut. Und wohin mit der Wut? Punkrock!

Ich lernte Typen mit bunten Haaren kennen, die in der Augsburger Innenstadt herumlungerten und begann mich zu ihnen zu gesellen. Damals, Anfang der Neunziger, hatten wir in Bayern schon Strom aber eben noch kein Internet. Man lernte Leute tatsächlich einfach so kennen. Gleich am ersten Tag meiner Innenstadtpunkerkarriere wurde ich aus dem Hauptbahnhof verwiesen und war einerseits total stolz darauf (Outlaw!) und andererseits total empört, so ungerecht behandelt worden zu sein. Revolution! Ach, einfach die typischen Gefühle, die man in dem Alter so hat.

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Damals hatten sich meine Eltern gerade getrennt, und meine Geschwister, ich und meine Mutter lebten bei meinen Großeltern. Punker zu sein, wenn der Großvater als einzige männliche Autoritätsperson vierzig Jahre lang bei der Polizei war, ist in dem Alter ziemlich gut. Es gab also was zum rebellieren. Danke Opa! Und natürlich wollte ich damals, mit zarten zwölf Jahren, auch unbedingt zu den Chaostagen nach Hannover fahren, aber Mama hat es nicht erlaubt. Fassen wir zusammen: Ich war revolutionär genug gesinnt, mich an den Chaostagen beteiligen zu wollen, aber nicht, um ein Verbot meiner Mama zu ignorieren. Echte Revolutionäre hören auf ihre Mutter!

Im Rückblick ist das natürlich ein bißchen Schade, denn das waren damals DIE richtig krawallträchtigen Chaostage 1995. Mensch Mama! Naja, kann man nix machen.

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Also verbrachte ich die Zeit damit, in dem Punkerdunstkreis dutzende verkrachter und fertiger Existenzen kennenzulernen, richtige Alki-Penner, Leute aus dem Methadonprogramm und viele Kids in meinem Alter, die aus richtig, richtig bösen Verhältnissen stammten, viel schlimmer noch als meine eigene kleine Mittelstandskatastrophe. Darunter viele, die ernsthaft planten, von zuhause abzuhauen und nach Berlin unter die Brücke zu ziehen. Wenn man nicht mehr täglich damit zu tun hat, vergisst man sowas leicht, aber in dieser Welt kriegen viele Leute Kinder, die diese echt scheiße behandeln und richtig schlechte Eltern sind. Und für diese Kinder ist es, leider muss man das so sagen, allemal besser, in Berlin im Abbruchhaus zu pennen und sich in der U-Bahn durchzuschnorren, als sich täglich von ihren Erzeugern verprügeln zu lassen.

Und man spielte natürlich „Berlin“, „besetzte“ Häuser – soll heißen man gammelte in Abbruchhäusern rum, bis die Polizei anrückte, vermüllte den Vorplatz des Hauptbahnhofs, schnorrte Passanten um Kleingeld an und machte allerlei solchen Quatsch.

Es waren die neunziger Jahre und Augsburg war damals, noch viel mehr als heute, einfach ein Kaff, das als Zentrum eines damals noch zutiefst provinziellen Landstriches sämtliche Freaks aus den Dörfern der Umgebung anzog. Und so kamen auch viele typische Dorfdrogen in die Stadt. Eine Bekannte, damals vielleicht fünfzehn Jahre alt, eröffnete mir eines Tages, sie könne nicht mehr richtig sehen, sie habe mit einer Freundin Tollkirschsaft getrunken und ein wenig zuviel erwischt.

Manche blieben dann auch wirklich auf Heroin hängen. Eine Weile lang hing ich mit einem Typen herum, der frisch aus der Klapse kam, in einem leeren Appartement wohnte und darüber sprach, daß ihm seine Familie Medikamente ins Essen mische. Zu der Zeit hatte ich soviel Kontakt zu solchen Menschen, daß ich das schon ignorierte. Der gab dann bekannt, er würde mit einem anderen Typ in den Urlaub fahren und dann machten sich die beiden auf ins nahegelegene Günzburg, wo damals eine große psychiatrische Klinik war. Ein paar Tage später waren sie wieder da und schimpften darüber, daß sie nicht aufgenommen worden waren.

Ein paar Mal übernachtete ich bei einem damals schon sehr gesetzten Kumpel (er hatte das biblische Alter von achtzehn Jahren erreicht!) in der Behausung, die der sich mit einem anderen teilte. Ich habe davon und danach nie wieder eine so dermaßen versiffte und zugemüllte Wohnung gesehen. Der Boden war vollkommen und restlos knöcheltief mit Müll bedeckt. Von der Küche reden wir besser garnicht erst. Und dann hatten die beiden noch ein paar Ratten, die frei in der Wohnung herumliefen – soll heißen herumpinkelten und herumkackten, was allerdings dann auch nicht mehr auffiel.

Die Wohnung lag außerhalb Augsburgs in einem Vor-Vorort, schon weit draußen in der bayerisch-schwäbischen Inzuchtzone. Eines Nachts begleitete ich meinen Kumpel in den Wald, wo er von irgendeiner Brücke irgendwelche Dinge in eine Bach kippte. Ich dachte mir damals wirklich Nichts dabei.

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Die ganze Sache hatte viel mit diesem Outlaw-Gefühl zu tun, das ich damals hatte. Seit ich aufs Gymnasium gekommen war, war ich grandios schlecht in der Schule geworden und von meinen Mitschülern wurde ich nicht akzeptiert. Ich war ein komischer Sonderling und dazu noch dick. Ich war auf einem humanistischem Gymnasium und alles in allem kann ich sagen, daß die da großes Glück gehabt haben, daß meine Eltern keine Schußwaffen im unverschlossenen Schrank rumliegen hatten. Das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg, ein kalter ekelhafter Betonklotz mit einem noch ekelerregenderen siebziger-Jahre-Anbau als Stahl und Scheiße, vollgestopft mit Kindern aus der oberen Mittelklasse und mit Lehrern, die wie die Karikaturen von Lehrern waren – von allem eine Ahnung außer vom Leben. Dann werden einem auf der Schule ein Haufen dermaßen hohle Lebensweisheiten eingetrichtert über das Berufsleben, die das zum Inhalt haben, was sich irgendwelche Studienräte unter diesem vorstellen – Typen die den Stock so tief im Arsch stecken haben, daß er oben wieder rauskuckt.

anna

Okay, sorry, das musste mal raus.

Damals gründete ich dann mit meinem Kumpel Jakob die erste Band. Anfangs waren wir noch zu zweit und spielten auf Akustikgitarre und selbstgebasteltem Schlagzeug in Jakobs Keller weltverbesserische Hippiesongs. Wir wollten natürlich cool sein und die älteren alternativen Metal- und Punkertypen auf unserer Schule beeindrucken. Klappte natürlich nicht und wir machten uns konsequent zu Idioten und zum Gespött der ganzen Schule mit irgendwelchen Auftritten, die ein Desaster waren.

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Irgendwann brachten wir es dann zu echten Instrumenten und einem Schlagzeuger, der in einem Augsburger Kinderheim aufgewachsen war und in einer von Sozialarbeitern begleiteten Wohngruppe neben diesem Heim wohnte, wo ich ab und zu mit ihm rumhing und mit den Älteren aus der Gruppe Slayer hörte.

Alle unsere Auftritte waren übrigens grauenhaft schlecht. Zum Beispiel spielten wir auf der offiziellen Abschlussfeier der Hauptschule, auf der unser Schlagzeuger damals gewesen war. Die Rede, die der Direktor dieser Schule damals hielt, war so übel, daß ich mich bis heute daran erinnere. Er schwafelte irgendwas vollkommen Inhaltsloses von „unsere Kinder mit Gottes Segen in die Welt entlassen…“ während unser Schlagzeuger hinter ihm mit dem White-Zombie-Shirt vorbeilief, auf dem groß „SAY YOU LOVE SATAN!“ stand. Angesichts der versammelten Kleinbürger-Spießigkeit im Raum gab es keinen besseren Kommentar.

In den darauffolgenden Jahren habe ich eigentlich nichts getan außer Gitarre zu spielen. Heute sagen mir Leute „Oh das ist ja toll, du kannst Gitarre spielen, ich wünschte ich könnte das…“.

Nein, wünscht Ihr euch nicht. Ich hab meine Jugend mit Gitarrespielen verbracht, weil ich ein dicker Außenseiter war, dem nichts anderes übrigblieb. Mädchen haben mich mit dem Arsch nicht angesehen. Und gefördert hat mich dabei auch keiner. Meinen Eltern war wichtig, daß ich die Schule hinbekomme, ob ich Gitarre spielte, ging ihnen sonstwo vorbei. Als ich noch Klavierunterricht gehabt hatte, war das was anderes gewesen, denn Klavier, das ist ja ein bürgerliches Statusinstrument. Aber E-Gitarre…der Junge soll was anständiges machen und für die Schule lernen, Heavy Metal ist eh Quatsch. Sie zahlten mir zwar Unterricht, aber mehr so aus dem bürgerlichen Anspruch heraus, daß man kein Instrument autodidaktisch lernen kann. Was ich dann so lernte im Gitarrenunterricht, das war ihnen herzlichst egal. Fairerweise muss man dazusagen, daß es zu jener Zeit in unserer Familie wichtigere Probleme gab. Und daß in vielen Familie das Geld für sowas erst garnicht vorhanden ist und ich insofern ziemlich privilegiert war und mich nicht beklagen sollte. Das meine ich ernst.

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Irgendwann im Frühjahr 2002 nahm ich eine CD auf, die ich „Front: Europa“ nannte. So fühlte ich mich damals auch. Ich wollte so militant klingen wie Laibach, aber ohne die Ironie, die Laibach haben. Im Jahr davor hatte die Anti-Globalisierungsbewegung ihren Höhepunkt in Genua gefeiert und nicht lange danach hatten sich ein paar Verrückte in mitsamt ihren Flugzeugen ins Wold-Trade-Center in New York gestürzt und dafür gesorgt, daß sämtliche rechten Politiker durchdrehten und die Welt ungestraft mit ihren perversen Orwell-Fantasien behelligen durften. Ich hatte also eine Menge Wut in mir und noch einige spätpubertäre Auswüchse in meiner Persönlichkeit, die mich die Peinlichkeit eines Liedes wie „Vagina Song“ ignorieren ließen.

Ich schickte die CD in die ganze Welt hinaus, und es schrieben sogar ein paar Leute darüber. Zum Beispiel ein Redakteur der Spex, der sie in einer regulären Besprechung in der Print-Ausgabe der Spex abfeierte – was wohl als publizistischer Höhepunkt meines bisherigen künstlerischen Schaffens gewertet werden kann.

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Ein Mitarbeiter der Spex veranstaltete damals in Köln Partys, auf denen er alles mögliche auflegte, was mit elektronischer Musik zu tun hatte und lud mich Anfang 2003 ein, doch dort zu spielen. Also fuhr ich mit Frau Chuck, meiner damaligen Freundin und mit Frau K., einer weiteren Bekannten nach Köln. Dort trafen wir zuerst auf Herr A., in deren WG wir nächtigen wollten und machten uns dann zusammen mit einem der DJs auf den Weg zum Auftrittsort. Dort hängte ich meine militanten beiden Europaflaggen auf, die auch noch von zwei Lampen angeleuchtet wurden, und dann warteten wir. Gegen ein Uhr nachts war der Laden nicht mehr ganz leer, es lief House, und ein paar Leute tanzten sogar. Dann durfte ich auftreten. Die Leute waren ein wenig verwirrt ob meiner Mischung aus Hiphop und Industrial und Lyric, aber ich ließ mich davon nicht beirren und baute noch einige Publikumsbeleidigungen ins Programm ein. Kurz vor dem letzten Song war der Sound plötzlich weg und eine der Bardamen stand im Raum, und sagte laut „also wir müssen jetzt überlegen, was wir machen, ein paar Leute haben sich beschwert über das Programm, also den Auftritt brechen wir jetzt am besten ab…“. Es kam zu einer lauten Diskussion, in deren Verlauf Herr A. laut brüllte „Was soll die Scheisse! Ich hab dafür bezahlt! Ich will den Auftritt sehen! Ich hab Eintritt bezahlt!“ (er hatte KEINEN Eintritt bezahlt, weil ich ihn als Bandmitglied reingezeckt hatte) und erst als ich klar machen konnte, daß ich eh nur noch einen einzigen Song spielen würde, durfte ich weitermachen. Ich spielte „Vagina Song“ und wir hauten ab. Eines der großen Erfolgserlebnisse meines Lebens!

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Herr A. lebte in einer 10-Mann-Haus-WG, in welcher es in den meisten Zimmern keine Heizung gab. Frau Chuck und ich schliefen im Wohnzimmer und erfroren fast. Am nächsten Morgen saßen wir am Frühstückstisch und wurden von fast allen Bewohnern freundlich begrüßt, außer von einem hochgewachsenen bärtigem Typen mit langen, fettigen Haaren. Er erwiderte unser „Guten Morgen“ nicht, würdigte uns keines Blickes, und ließ sich Honig von einem Löffel in den Mund laufen. Ich habe ihn verstanden. Wenn man schon in einer Zehn-Mann-WG wohnt, muß man das auch manchmal ausnutzen und die Freunde von Mitbewohnern als Publikum für die eigene Grummeligkeit nutzen. Würde ich auch so machen.

Dinge tun und Geld kriegen. Kein Sex in diesem Kapitel.

Etwa zwei Monate, nachdem es mich nach Frankfurt verschlagen hatte, hatte ich den ersten richtigen Job meines Lebens. Also, „richtig“ im Sinne von: Ich zahlte Lohnsteuer.

Ich zog nach Frankfurt mit allem was ich besaß. Das hatte alles in dem Zimmer, das ich gemietet hatte, gar keinen Platz. Das Zimmer kostete dreihundert Mark, und wenn man bedenkt, dass es ein illegal untervermietetes Zimmer war (da standen noch Möbel und Familienbilder drin von der Person, die da ein bißchen wohnte, die ich aber nie zu Gesicht bekam – dem Hörensagen nach eine lesbische Theologieprofessorin, die die Bude als offiziellen Wohnort für ihre illegal eingewanderte thailändische Freundin brauchte – oder so) war das okay.

Offizieller Hauptmieter der Wohnung war der Grasdealer eines Musikerkollegen meiner damaligen Freundin, ein bongrauchender typischer Kiffer, so einer der dir alles ablinkt, wenn er gerade Kohle braucht. Ab und zu war sein unehelicher fünfjähriger Sohn da, der COSMO hieß (NEIN, das habe ich NICHT erfunden!), und der einmal, als ich nach hause kam, am offenen Fenster spielte, während sein Vater im Hof abgammelte und rauchte.

Auf meinem Konto waren zweitausend Mark. Die kamen von meiner Mum. Im Jahr vorher, als ich die Schule das erste Mal abgebrochen hatte, nötigte sie mich, mir Jobs zu suchen und ihr pro Monat fünfhundert Mark abzudrücken für Miete und Essen. Als ich schließlich auszog, bekam ich das wieder. Plus tausend weitere Märker, als die zweitausend aus waren und ich zwar schon den oben erwähnten echten Job hatte, es aber erst Monatsanfang war. Achja: Danke Mama!

Aber zurück zum Job. Eines Morgens saß ich da, ich hatte aufgrund einer kurzfristigen Wohnungsunpässlichkeit (der Kiffer hatte sich als nicht sooo der zuverlässige Vermieter entpuppt) bei Britta und Micha in Darmstadt übernachtet, am Darmstädter Hauptbahnhof. Und wartete auf die S-Bahn Richtung Frankfurt. Es war ein sommerlicher Morgen, heiß, die Sonne strahlte, Menschen mit Rucksäcken fuhren in die Ferien und ich war auf dem Weg zu einem Job und hatte Angst. Ich war damals noch ein ziemlich verschreckter neunzehnjähriger, der nie irgendwas gelernt hatte, und als solcher hat man eher mal Angst vor der Arbeitswelt.

Ich hatte bei einer Zeitarbeitsfirma angeheuert, wo eine Bekannte als Personalkraft arbeitete, die hatte mir den Job besorgt. Die Zeitarbeitsfirma lieh mich dann an eine andere Firma aus.

In Langen stieg ich aus. Langen ist ein ziemlich trostloses Kaff zwischen Frankfurt und Darmstadt. Mit einem NOCH trostloseren Industriegebiet. Und direkt neben einem noch unbebauten Brachgrundstück voller Müll, Büsche, Matsch und Pfützen lag die Deutschlandzentrale eines Paketunternehmens, das irgendwann in den Jahren danach von der Post aufgekauft worden ist. Das Haus war ein moderner Kasten, der perfekt ins Industriegebiet passte, also genauso trostlos war. Ich bekam einen Ausweis mit Chipkarte, den ich bei der Abteilung, in der ich beschäftigt war, an die Tür hielt, damit diese „KLICK“ aufging.

Letzten Endes war ich zehn Monate dort. Es war eine interne Abteilung zur Verwaltung von Kundendaten, ein Großraumbüro und ich war einem Team von vier Mitarbeitern als Aushilfe zugeteilt. Die Kernaufgabe des Teams war das Bedienen eines Kundendatenerfassungsprogramms, das ständig abstürzte. Jeden Morgen druckte ich eine Liste mit Kundendaten aus und ÜBERPRÜFTE, ob diese im System vorhanden waren und markerte sie an, wenn nicht. Ich sollte pro Tag acht Stunden dort sein, doch das Problem war, daß die Arbeit nach spätestens sechs Stunden gemacht war. Im Laufe der Zeit wurde ich schneller und war nach vier Stunden fertig. Dann musste ich meiner Vorgesetzten, die schräg gegenüber saß (mit einem Abstand von ca. 3 Metern) eine E-Mail schreiben, die zum Inhalt hatte, daß ich nichts mehr zu tun habe. Denn natürlich waren all die anderen Teams in der Abteilung neidisch, daß sie selbst keine teure Zeitarbeitsaushilfe für ihre eigenen sinnlosen Tätigkeiten bekommen hatten. Es hätte für echte Konflikte gesorgt, hätten diese mitbekommen, daß ich deutlich unterbeschäftigt war.

Das Problem war nun, daß meine Vorgesetzte nicht immer Arbeit für mich hatte. Und dann wurde es hart. Als Zeitarbeitskraft hatte ich nämlich nicht mal einen Internetzugang an meinem Arbeitsplatz. Und die Arbeitsanweisung war dann manchmal „Seh einfach so aus, als hättest du was zu tun.“. Na super. Im Laufe der Zeit begann ich also, um sieben Uhr morgens zu kommen. Das hatte den Vorteil, daß ich früher gehen konnte und so erstmal zwei oder drei Stunden lang (bevor alle anderen kamen) sicher war vor den typischen hohlen Bürogesprächen. Und da ich ja nicht wirklich zu tun hatte, schrieb ich mir erstmal auf, ich sei eine halbe Stunde früher gekommen. Da außer mir um die Zeit keiner da war, störte das niemanden. Dann trank ich Kaffee und setzte mich für ca. eine halbe Stunde auf die Toilette. Hierauf begann ich langsam mit meiner Arbeit. Nur: Diese Verzögerungstaktiken reichten nicht aus. Also arbeitete ich bewusst langsam. Ich ging pinkeln, wann immer ich nur einen Tropfen aus meiner Blase pressen konnte. Das war sehr sehr sehr anstrengend. Vor allem, wenn es spät geworden war am Abend davor, war das unglaublich hart. Ich saß auf der Toilette und schlief dort beinahe ein. Oder mir fielen die Augen direkt am Arbeitsplatz zu, weil es SO LANGWEILIG war.

Irgendwann wurde ich dann angewiesen, ich solle auch nach spätestens sechs Stunden Arbeit meine halbe Stunde Pause nehmen. Ein einziges Mal, am ersten Tag, war ich in der Kantine gewesen, in den darauffolgenden Monaten verbrachte ich die Pausenzeit damit, durchs Industriegebiet zu laufen, wo es als einzige Attraktion eine Imbissbude gab. Dort holte ich mir ein paar Mal eine Currywurst und verspeiste diese auf einem Mäuerchen zwischen einer Tiefgarage und den S-Bahn-Gleisen sitzend. Gewerbegebietsromantik.

Ansonsten verbrachte ich den Arbeitstag damit, Doppelkekse (so ein Prinzenrolle-Generikum vom Aldi) zu essen und Eistee zu trinken. Und den Versuchen, die Gesprächsthemen meiner Vorgesetzten zu ignorieren, die mit tiefstem Heidelberger Dialekt über ihre Lieblingsserien (Ally McBeal) sprach und darüber, dass sie ein Cabriolet besitze, in welches aber keine Klimaanlage eingebaut sei, da sie dies für dekadent halte. Ihr versteht, wieso ich extra früh aufstand, um dem – soweit es ging – zu entgehen?

Immerhin konnte ich durch das abteilungseigene Büromateriallager meinen Bedarf an dicken Edding-Markern, Kugelschreibern, Tesafilm, Druckerpapier usw. bequem und äußerst kostengünstig decken, wenn ich morgens allein in der Abteilung war.

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Es dauerte dann ca. drei Jahre, bis ich schließlich sowas ähnliches wie eine Ausbildung begann. Die Entscheidung, Heilerziehungspfleger zu werden, hatte ich im Ausschlussverfahren getroffen. Außer mit geistig Behinderten und Verrückten rumzuhängen oder Rockstar zu sein konnte ich einfach nichts. Und Rockstar wollte nicht so klappen.

Heilerziehungspfleger ist sowas wie Erzieher, nur ein wenig verrückter. Mit normalen Kindern oder so geben wir uns garnicht erst ab. Und jeder, der diesen Berufs lernt, hat selber einen ordentlichen Knall. Mein Ausbildungsgang bestand aus 28 Vollzeit-Neurotikern. Im Fach Psychiatrie fanden wir uns alle wieder. Bzw. einige andere fand ich da sogar noch mehr wieder als mich selbst. Im ersten Ausbildungsjahr fanden wir alle die anderen noch interessant und es entstanden viele Freundschaften. Und klar verliebte ich mich in die eine mit den Dreads und den Tattoos.

Im zweiten Ausbildungsjahr fingen wir an, uns alle gegenseitig zu HASSEN. Da gab es an den Fachschultagen mitten im „Unterricht“ Dialoge, die quer durch den Raum geführt wurden, wie z.B „Johannes, du kriegst eh nie ne Frau ab“ – „Mag sein, dafür laß ich mich nicht von jedem dahergelaufenen Ami-GI in den Arsch ficken…“ – Setzt eine Horde gestörter Anfangszwanziger zusammen, nenn es „Schule“ und du bekommst den übelsten Neuköln-Kindergarten, den es gibt. Eine Dozentin sollte uns musikpädagogische Methoden nahebringen. Sie hatte hennarote Locken, trug graue Strickjacken und trank Tee aus einer verbeulten Thermoskanne. Armes kleines Etwas. Sie kam morgens herein, niemand schenkte ihr Aufmerksamkeit. Zu einem Kollegen an einem der vorderen Plätze meinte sie schließlich „Soll ich mal in die Hände klatschen?“ „Ja, machense mal. Vielleicht hilfts.“

Die gute Frau holte aus, breitete die Arme aus wie Jesus am Kreuz und ließ schließlich ein Klatschen los, dessen Ausschlag sich etwa um die 10 Dezibel bewegte. Dann teilte sie diese putzigen pädagogischen Instrumente aus.

„Wenn ich rede, schweigen die Instrumente.“ Kein Kommentar.

„Mit Klangstäbchen kann man ganz tolle Sachen machen!“
„Jap. Sie sich rektal einführen.“ Ich KONNTE mir das nicht verkneifen. Es ging einfach nicht. Die arme Frau hat geweint danach….Ich bin ein schlechter Mensch.

rektum

Aber sie war nicht so schlimm wie manche Kollegen, die sich durch die Ausbildung lavierten, indem sie bei Besichtigungen anderer Einrichtungen sehr engagiert Kracher losließen wie „Ja, da sind die sozialen Aspekte ja schon auch wichtig, oder?“ Nein, Alta, wie bist du da nur drauf gekommen! Die Geschichte der sozialen Arbeit muß neu geschrieben werden!

Dinge, die ich sonst noch während der Ausbildung gelernt habe: Tote Fliegen zu essen kann Menschen wirklich ekeln, man kann mit Teelöffeln Nutella quer durch einen Seminarraum schießen, mit Kopierern kann man ziemlich coole Dinge machen, und die Trennung der Verbindung der Hemisphären des menschlichen Gehirns ist eine Sache, die man Experten überlassen sollte.

spluit

An der Exkursion nach HOLLAND nahm ich leider nicht teil, vielleicht war es ganz gut so. Ich meine, wenn man mit einer Horde Leute, die einen SOZIALEN Beruf lernen, nach HOLLAND fährt, was kann man da schon erwarten?! Ich wurde also leider nicht Zeuge, wie mein Kollege, der durchgeknallte Punker aus dem Westerwald, Gras nach Holland EINFÜHRTE („des holländische Zeug rauch ich ned!“).

Das Ding an der Pädagogik ist: Sie bringen dir ganz tolle Ausdrücke für jeden Scheiss bei („Inklusion“, „vestibuläre Sensorik“ – hey, ich kenne alle diese Worte, ich kann sie verwenden und weiß was sie bedeuten!) aber letzten Endes musst du selbst damit klarkommen, wenn du aus Überforderung oder einfach nur wegen eigener Unorganisiertheit einen armen behinderten Menschen anmotzt oder ihn wütend durch den Raum zerrst, der auch nichts dafür kann und du merkst, daß du auch eine nicht so nette Seite hast.

Ich hab übrigens ziemlich gut abgeschlossen, aber das bedeutet nicht so viel, wenn man weiß, was für Volldeppen die Ausbildung auch geschafft haben und heute so ziemlich den gleichen Job haben wie ich.

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Als ich 2008 in einem Wohnheim für psychisch Kranke in Frankfurt anheuerte, gab es in eben diesem Stadtteil Wildschweine! Echte Wildschweine! Mann war das cool! Du kamst von der Spätschicht, warst auf dem Weg zur Strassenbahn und auf der Grünfläche zwischen zwei Wohnblocks des Ghettoviertels wühlte eine Rotte Wildschweine rum. Das Wohnheim lag am Stadtrand nicht weit von Stadtwald entfernt. Und so machten sich die gelangweilten Jugendlichen der Hood einen Freitagabendspaß daraus, Schotter von den Strassenbahnschienen, die am Wald entlangführten, in den Wald zu werfen, in der Hoffnung, ein Wildschwein zu treffen. Sie trafen auch, und so änderte die ortsansässige Wildschweincommunity ihre politische Ausrichtung von „Oha, ein Mensch. Machen wir mal besser nen Bogen drum.“ in „Oha, ein Mensch. AUF IHN!“. So dauerte es nicht lange, bis Leute von der Polizei von Bäumen gerettet werden mussten.

wildschwein

Bei Einrichtungen für psychisch Kranke ist ja immer so die Frage, ob psychisch Kranke da arbeiten oder wohnen. Bei der, in der ich war, war ich mir nie so sicher, ob die Bewohner angestellt waren, uns zu betreuen oder andersrum. Oder sagen wir es mal so: Manche Kollegen wären als Bewohner nicht aufgefallen.

Zum Beispiel der schwule Kollege, der Bereitschaftsdienst hatte, und über das Diensthandy privaten SMS-Verkehr abwickelte. Und das dann an den nächsten, der Bereitschaftsdienst hatte, weitergab, OHNE eine SMS zu löschen. Erst Wochen später stöberte eine andere Kollegin im Speicher des Handys und fand Dinge wie „Habe Interesse. Schwanzlänge?“ Nachdem das Handy durch die Hände aller Mitarbeiter gegangen war.

Eben diese Kollegin arbeitete prinzipiell NICHTS, bzw. nur soviel wie unvermeidbar war und fuhr damit ganz gut. Anrechnen konnte man ihr ihre bewundernswert stabile Scheissegalhaltung. An Weihnachten, als mehreren Bewohnern der Tabak ausging, fuhr sie mit dem Dienstauto zur Tankstelle und kaufte Tabak – obwohl sie kurz zuvor den Führerschein verloren hatte. Sie ließ sich auch auf der Arbeit von ihrer Mutter besuchen, dann saßen sie im Raucherraum und unterhielten sich und ihre Mutter verstand sich super mit den Bewohnern. Ich war nie sicher, ob ich die Kollegin bewundern sollte.

NOCH zwiespältiger war allerdings die Kollegin, die in ihrer Freizeit an Frankfurts Einrichtung „Freiwilliger Polizeidienst“ teilnahm. Da kriegen Rentner, Arbeitslose oder eben Leute, die zu doof für ein sonstiges Hobby sind, Trainingsjacken, auf denen hinten „Freiwilliger Polizeidienst“ draufsteht mit zugehörigen Hosen, in denen sie aussehen wie der Polizist bei den Village People, CS-Gas und ein Handy und dann dürfen sie durch den Park in Schwanheim laufen und Falschparker aufschreiben oder, wenn ihnen irgendwas Gesetzloses auffällt, die echte Polizei rufen. In Frankfurt kriegen Leute für sowas Geld. Kein Wunder, daß die Stadt pleite ist. Meine Kollegin war dann auch sehr stolz, daß sie Roland Koch die Hand schütteln durfte.

cops

Und weil sich manche Leute für gar kein Klischee zu blöd sind, besaß sie auch einen Schrebergarten. Und weil ich manchmal auch einfach nur ein berechnendes Arschloch sein kann und mich mit ihr gutstellen wollte, half ich ihr ab und zu mit dem Auto, große Dinge in ihren Schrebergarten zu transportieren. Da standen wir dann in der Laube, wenn am Zaun die Gartennachbarn vorbeiliefen und sie meinte leise zu mir „Das sind die Blablabla, die machen nie ihren Garten, der sieht immer aus wie Sau.“ und dann laut Richtung Zaun „Hallo! Schön euch zu sehen! Schönes Wetter heute, nicht wahr?“…

Bei dieser Arbeit war das härteste, samstags Spätschicht und am Sonntag darauf gleich Frühschicht zu haben. Dem Nachtdienst sagte man dann am Samstagabend „Bis gleich!“

Wenn man dann in die Bahn stieg sah man Leute, die zum Partymachen in die Innenstadt fuhren und am nächsten Morgen sah man dieselben Leute betrunken auf dem Weg nach Hause vom Partymachen kommen, während man selbst arbeiten musste und von Bewohnern mit „Sie sind ja schon wieder da! Schlafen Sie nie?“ („NEIN! NIEMALS! ICH BIN EIN ZOMBIE!“) begrüßt wurde.

Und dann kam der seit vierzig Jahren chronisch schizophrene Siebzigjährige aus seinem Zimmer, ein dürres, hyperaktives Männchen, das in seiner Jugend auf einer Klosterschule gewesen war und seitdem eine Art Jesus-Knacks hatte und sagte „Herr Giesemann, Herr Giesemann! Heute Nacht isses passiert!“
„Äh. Guten Morgen erstmal. Was ist passiert?“
„Heute Nacht hat er wieder gestanden.“
„Ah ja.“
„Drei Wochen hab ich ausgehalten.“
„Aha, interessant!“
„Aber der Jesus Christus, der hat ja noch mehr aushalten müssen!“
„Ist heute nicht Ihr Duschtag?“
„Nein! Der war letzte Woche erst!“