Archiv für Oktober 2010

battle rap

ak47

Ein weiterer Tag, an dem ich den Fernseher anschalte und mir eine automatische Schußwaffe wünsche. Kein Recht auf Leben für selbstverschuldete Dummheit!

Ich habe keine Lust mehr, diese Welt mit Leuten zu teilen, deren großes Problem ist, daß auf ihrer Pizza industriell hergestellter Käse statt Käse aus Kuhmilch ist. Das würde eure Pizza natürlich SEHR viel gesünder machen, oder? Ihr Vollarschgeigen. Oder mit den ganzen Kinderfickern die CDU wählen und sich selbst als „christlich“ bezeichnen. Jaja, NÄCHSTENLIEBE aber die afrikanischen Kinder sollen bitte nicht in unserer Sichtweite verhungern. Ja, genau, KINDERFICKER. Menschen, die in ihr Online-Profil „Gegen Kindesmissbrauch“ schreiben. Oh ihr seid gegen Kindesmissbrauch? Das ist ja eine SEHR mutige Haltung von euch. Man würde denken, daß es normal ist, nicht für sexuelle Verbrechen an Kindern zu sein, aber nein, ihr VOLLARSCHLÖCHER müsst es betonen um herauszustellen was für GUTE MENSCHEN ihr doch seid. Nix seid ihr. Ein großer Haufen Durchfall in Gottes Scheißhaus seid ihr. Betroffenheitswichserei.

Die Toten bei der Love Parade, diese armen Menschen. Daß jeden Tag Menschen verhungern aufgrund des Wirtschaftssystems, daß IHR unterstützt, in dem ihr einen Mann zum Außenminister macht, der den Penis seines Erzeugers noch im gesamten Enddarm hat, ist dabei egal. Die Toten auf der Love Parade. Sorry, aber wer im Jahr 2010 zur Love Parade nach DUISBURG geht, und sich dort die Birne wegknallt mit billigem MDMA hat es verdient zu sterben. Kein Recht auf Leben für Geschmacklosigkeit!

Oh ja, und dann beklagt ihr euch über ungerechte Behandlung, ihr Frauen, Homosexuellen, Migranten…ihr beklagt euch über weniger Lohn, weniger Rechte. Und seid zu doof, den Grund zu erkennen. Der Grund ist der Kapitalismus, der IMMER Ungerechtigkeit und Unterdrückung schafft. Aber anstatt das Grundübel zu bekämpfen, seid ihr zufrieden, wenn ihr mitaufgenommen werdet in die Gruppe der Verschonten und dafür andere unterdrückt werden. Der Kapitalismus mit dem menschlichen Gesicht ist FÜRN ARSCH! IHR VOLLDEPPEN! Wie kann man nur so saublöd sein?! Wer beim Kapitalismus mitmacht, wer bei dieser Gesellschaft mitmacht, darf sich eigentlich nicht beschweren, wenn er ungerecht behandelt wird. Jeder der es doch tut ist ein Heuchler.

Ich bin übrigens auch einer dieser Heuchler. Zugegeben.

Mir reichts. Ich will einen thermonuklearen Sprenzsatz und ein Scharfschützengewehr.

billigware.

Ich sags euch ganz ehrlich. Jesus ist mein Vorbild. Auch wenn ich aus Metalhead-Attitüde-Gründen gerne umgedrehte Kreuze an die Wände male. Ich meine, ich glaube Jesus würde mitmachen.

Leider gestattet es die Dominanz meiner sehr nüchternen und oft auch sehr nihilistischen Denkweise (die an allem und jedem zweifelt) nicht, an die in der Bibel beschriebenen Ereignisse als eine Form von Realität zu glauben. Nichtsdestotrotz ist Jesus mein Vorbild. Er beschimpfte die Pharisäer als „Ihr Schlangenbrut!“ und „Ihr Heuchler!“ und heutzutage würde er in Altötting den Wallfahrtsklimbim mit dem abgebildeten Antlitz von Herrn Ratzinger aus der Stiftspfarrkirche räumen, ihn auf einen großen Haufen auftürmen, den Haufen mit Benzin übergießen und ihn anzünden.

Alles in allem, auch wenn ich nicht in der Lage bin, an irgendeinen Gott zu glauben, halte ich Jesus Christus für eines der wirklich großen Vorbilder in der Geschichte unseres kleinen Planeten. Und dabei ist es völlig egal, ob er wirklich gelebt hat, und ob er wirklich der Sohn irgendeines Gottes war.

Ich bin nicht wirklich bibelfest. Gut, ich wurde konfirmiert und das alles, aber wirklich GELESEN habe ich die Bibel, außer auszugsweise, nicht. Man verzeihe mir deshalb theologische Ungenauigkeiten. Aber so wie ich das verstanden habe, gibt es da diese Stelle, in der Jesus bei der Steinigung einer des Ehebruchs beschuldigten Frau die Teilnehmer auffordert „Der von euch, der ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“.

Und dennoch laufen viele Christen herum, zeigen mit dem Finger auf andere Menschen und URTEILEN und URTEILEN und meinen, im Namen Gottes für Recht und Ordnung sorgen zu müssen. Nach meinem Verständnis obliegt es alleine Gott, zu urteilen, wenn man denn an ihn glaubt. Jeder der dies an seiner Stelle tut und gleichzeitig behauptet, in seinem Sinne zu handeln verdient nichts anderes als die oben erwähnten Aussprüche. IHR SCHLANGENBRUT! IHR HEUCHLER!

Ahja, und dann maßen sich Leute an, „Gottes Stellvertreter auf Erden“ genannt zu werden.

Letzten Sonntag saß ich mit Nathalie am Main. Die Sonne schien, es war einer der letzten warmen Tage des Jahres und es war wunderschön. Doch jedesmal wenn ich dort sitze warte ich auf ein Ereignis, das einer der Höhepunkte meines Lebens sein könnte. Ich will dabei sein, wenn eines der Schiffe gegen einen Brückenpfeiler fährt. Das wäre wirklich eine Art Gottesoffenbarung, eine Theophanie, wie Philip K. Dick sie in VALIS beschrieb. Na gut, das war jetzt übertrieben. Aber cool wäre es schon.

Ein anderes Thema. In meinem sozialen Umfeld finden sich, vor allem in meiner Altersgruppe zahlreiche Menschen in festen Beziehungen, die auf Heirat oder Nachwuchs oder beides hinarbeiten oder zumindest zusammenziehen. Oder sie machen irgendeine Art von Karriere.

Ich muß zugeben, daß ich neidisch bin, denn bei mir klappt beides nicht mal ansatzweise. Ja, ein Mensch kann weniger erreichen an einen Abschluß als Heilerziehungspfleger. Aber auch wesentlich mehr. Man könnte jetzt sagen: Na dann mach doch.

Ehrlich gesagt. Wenn ich von einem Arbeitstag nach Hause komme bin ich oft fix und fertig. Da geht nichts mehr. Zur Zeit steht das mit der Musik auch völlig still, weil es eben an Energie und Muse mangelt. Und von Liebe und Sex will ich garnicht anfangen. Um ehrlich zu sein, habe ich das Gefühl, daß es in dieser Welt genug notgeile unterfickte Typen wie mich gibt. Und wir alle wissen: Wenn das Angebot über der Nachfrage liegt, sinkt der Preis bzw. der Wert ins Bodenlose. Menschen wie ich sind das, was es für neunundneunzig Cent bei Kik neben der Kasse gibt. Und weil es vielen so geht, finden wir auch alle die Rede von Tyler Durden am Ende von Fight Club so passend. Klar liegt das auch am Grad der Pervertiertheit meiner Sexualität, aber ich glaube auch normal heterosexuellen Männern geht es so.

Weitere Möglichkeiten gibt es auch im Internet kaum. Um im Internet wahrgenommen zu werden, muß man weiblich und halbwegs attraktiv sein. Das ist so. Vergleicht mal die Hits, die ein Blog wie meines hat mit denen weiblicher Autorinnen. ICH zumindest lese lieber über das Intimleben weiblicher Autorinnen als über das von Typen wie mir.

Klar, idealerweise ist man halbwegs unabhängig von Beachtung von außerhalb und ist sich selbst genug. Bei mir ist das aber nicht so. Ich mag meinen Job, aber manchmal finde ich es ein bißchen schade, daß diese Welt mich für nichts anderes braucht, als dafür, mich um die zu kümmern, die sie noch mehr ausschließt als mich.

Die schönen Dinge die bleiben, sind Kaffee zu trinken und laut Musik zu hören. Und die letzten warmen Herbsttage, wenn man über die Felder der Frankfurter Vororte läuft, auf die Skyline blickt und die Kranichschwärme am Himmel ihre Kreise ziehen sieht.

Sorry, aber das reicht nicht.

„einmal risperidon für dreihundert euro, bitte.“ „darfs sonst noch was sein?“

Und so standen wir da an einem Samstagabend im Nebel auf dem Feldberg, ca. 30 Meter abseits des Waldweges, und versuchten, Suki zu begraben.

Suki hatte einen adäquaten Sarkophag, eine goldfarbene Pappschachtel, ausgelegt mit Streu. In dieser befanden sich außer ihrer verschiedenen irdischen Hülle noch eine geteilte Paprika, angefüllt mit Trockenfutter, sowie ein Trinknapf, welcher mit Wasser gefüllt war. Also genug Proviant für die Überfahrt.

Es wurde schon dunkel und Nathalie klagte über die Kälte. Und klagte dann über die Kälte. Und dann über die Kälte. Viel problematischer war jedoch, daß ich, mangels des Besitzes einer Schaufel, zum Graben nur eine Suppenkelle, welche Frau Att gehörte, mit mir führte. Mit einer Suppenkelle im kalten, herbstlichen Waldboden ein einigermaßen tiefes Loch zu graben ist soooo einfach nicht.

Anfang der Woche, am Montagmorgen, fiel mir Sukis Keuchen auf. Mittags war es schon so schlimm, daß Frau Att, die nach ihr sah während ich auf der Arbeit war, mich dort aufgeregt anrief, man müsse sofort mit ihr zum Tierarzt gehen sie sei auf dem Weg in die Ewigkeit. Glücklicherweise erklärte sich Dani bereit, eben dies zu tun. Die Tierärztin diagnostizierte eine Lungenentzündung und verschrieb ein Antibiotikum. Dies müsse innerhalb der nächsten beiden Tage Wirkung zeigen.

Leider aß Suki seit diesem Tag nichts mehr. Zwei Tage später besorgte ich mir beim Tierarzt Spezialnahrung für geschwächte Nagetiere und versuchte, diese mit einer Spritze Suki einzuflößen.

Ich hätte nicht gedacht, daß es SO schwer ist, einer kleinen Ratte gegen ihren Willen Nahrung zuzuführen. Aber sie wehrte sich so fest und effektiv, daß ich dies als Zeichen der Genesung deutete.

Die Tierärztin, die ich Ende der Woche nochmalig aufsuchte, sah das leider deutlich anders. Sie zeigte mir die Option auf, Suki zu röntgen. Allerdings, so betonte sie, passiere es tatsächlich oft, daß kleine Nagetiere in solch schlechtem gesundheitlichen Zustand beim Röntgen ersticken. Sie meinte, man könne auch ein zweites Antibiotikum versuchen, alles in allem sei die Wahrscheinlichkeit jedoch groß, daß Suki dann am Wochenende qualvoll ersticke. Sie könne schon jetzt kaum mehr atmen und leide sehr. Die Ärztin schlug also vor, Suki zu erlösen und tat dies dann auch mit meiner Zustimmung. Suki schlief in meinem Armen ein und schwebte auf in den Rattenhimmel.

Für ihren Leichnam hatte die Tierärztin leider keinen anderes Behältnis vorrätig, als einen leeren Karton Katzenfutter. Und da ich sie eigentlich zusammen mit ihrer Vorbesitzerin beisetzen wollte, die an diesem Tag jedoch verhindert war, bewahrte ich Suki über Nacht im Gefrierfach meines Kühlschranks auf.

Das Loch, in dem ich Suki beisetzte, war nicht besonders tief, aber ich legte einige große Holzstöcke darauf, so daß vielleicht nicht gleich der erste Hund, der vorbeilief, ihren Körper schändete.

Ansonsten verläuft das Leben einigermaßen unspektakulär. Man geht zur Arbeit, isst und geht dann ins Bett. Dazwischen wird gegessen, geduscht und vielleicht ab und zu onaniert.

Ich habe einen neuen Job, seit zwei Monaten nun. Die psychisch Kranken habe ich durch sogenannte „Menschen mit geistiger Behinderung“ ausgetauscht. Hatte ich aber ja schon öfters, also einigermaßen Routine alles. Immerhin gibt es deutlich mehr zu lachen und es ist nicht ganz so deprimierend wie die Arbeit mit psychisch Kranken. Da gibt es solche Situationen, in denen eine etwas aufgebrachte (weil das Klo, IHR Klo halt leider besetzt ist, als sie gerade drauf will) Autistin ihre Inkontinenzhilfe (Fachausdruck für: Windel) nach mir wirft („Hast du das grade nach mir GEWORFEN?! IIIIH ein brauner Fleck auf meinem Shirt!“), in denen man jemanden auf die Toilette begleitet, die Tür zumacht und draußen wartet, bis er sein Geschäft erledigt hat und auf einmal hört man ihn von innen „Happy Birthday“ singen. Und es gibt massenhaft WTF-Momente.
Obwohl man es im Bereich dieser Branche eigentlich gewohnt sein sollte, ist es immer noch ein wenig befremdlich, wenn jemand gerade dann zu onanieren anfängt, wenn man ihm gerade den Hintern abwischt. Oder man mit zwei Klienten (so heisst das professionell) an einem Tisch sitzt, und plötzlich und aus heiterem Himmel fängt einer der beiden an herzzerreißend zu weinen und eh man es sich versieht, tut der andere auch eben das und man sitzt mit zwei wie Schloßhunde heulenden Menschen am Tisch und in dem Moment kommt die Kollegin vorbei und meint grinsend „Haste gut gemacht, Johannes“. „Ich hab nix gemacht!“ „Jaja, das sagense alle!“.

Spektakulär ist auch der Klient, der sich STÄNDIG, und damit meine ich wirklich LAUFEND, volle Kanne gegen den Kopf schlägt, wenn er nicht fixiert ist und der sich so schon beide Trommelfelle restlos zerstört hat und daher gehörlos ist. Und der Blutdruckprobleme und Laktoseintoleranz hat und natürlich total geil ist auf – richtig: Kaffee und Milchprodukte. Man glaubt nicht, wie schnell Menschen mit einer Gehbehinderung sein können, wenn die richtige Motivation da ist.

Viele der Klienten, mit denen ich grade arbeite, sind Epileptiker. Man darf das auf der Arbeit ja nicht laut sagen (womöglich lesen Kollegen dieses Blog, naja, Pech), aber ich finde epileptische Anfälle total faszinierend. Daß sie für die betreffenden Menschen nicht besonders toll, und deshalb möglichst zu vermeiden sind, ist ja klar. Aber es ist total STRANGE, sie mitanzusehen. Ich kann gut verstehen, wieso man in früheren Zeiten dachte, die Betroffenen wären von Dämonen besessen oder würden mit fremden Zungen sprechen oder so.

Naja, auch in meinem Ex-Job gab es lustige Situationen. Da war zum Beispiel die Dame mit chronischer schizo-affektiver Irgendwasstörung (so ein Mittelding zwischen Psychose und bipolarem Irgendwas, also Stimmungsprobleme mit Hallus, zu einer solchen Diagnose kommt es, wenn der Psychiater sich nicht mit seinem Kollegen oder sich selbst einigen kann).

-ACHTUNG! kurzer erklärender trockener Einschub!-
Menschen, die in einer stationären Wohneinrichtung nach Sozialgesetzbuch zwölf („Eingliederungshilfe“) untergebracht sind, müssen ihr gesamtes Einkommen (bzw. ihr Hartz, Rente) oder Vermögen abgeben um die Kosten für den Wohnplatz zu decken.
(Da es sich dabei meist um Menschen mit geistiger Behinderung oder chronischer psychischer Krankheit handelt ist dies meist nicht besonders viel und reicht meistens nicht mal ansatzweise zur Kostendeckung. Dies ist keine Diskriminierung, aber wer in solch einer Einrichtung leben muss ist meist nicht der Typ für die große Karriere im kapitalistischem Postindustrialismus). Dafür erhalten sie vom Kostenträger (ist in dem Fall in Hessen der Landeswohlfahrtsverband LWV und NICHT die Krankenkasse) monatlich, den sogenannten „persönlichen Barbetrag“, den die Betroffenen meist schlicht „Taschengeld“ nennen. Der beträgt so um die neunzig Euro, wobei noch Kleidergeld und so BLABLABLA hat überhaupt IRGENDJEMAND bis hier gelesen? Wir testen das mal. Hey, du, Leser. Deine Mutter kocht schlecht! Ah ja, keine Reaktion. Also scheiß auf die Sozialarbeiterkacke.
-Achtung! kurzer erklärender trockener Einschub ENDE!-

Diese Bewohnerin bekam alle zwei Wochen eine intramuskuläre Depot-Injektion eines Neuroleptikums, Risperidon, Handelsname „Risperdal Consta“. Das Zeug wird in den Hintern gespritzt und soll zusätzlich zur oralen Medikation zwei Wochen lang einen gewissen Medikamentenspiegel aufrechterhalten.
Nun hatte diese Person ein Problem mit dem persönlichen Barbetrag. Der war immer schon nach kürzester Zeit ausgegeben und die Frau war pleite. Sie war blöderweise auch Kettenraucherin, was das Pleite-Sein umso unangenehmer für sie machte. Sobald sie blank war (nach etwa einer Woche, wenn es gut lief), fiel ihre Stimmung in den Keller, sie wurde depressiv und zum Teil auch psychotisch und verbal aggressiv. So vergingen die folgenden drei Wochen des Monats, bis sie am ersten Tag des Folgemonats wieder ihren persönlichen Barbetrag ausgezahlt bekam und ihre psychische Gesundheit wieder vollständig hergestellt war.

Meine Idee dazu war, auf die Depotinjektion von Risperdal Consta zu verzichten und ihr stattdessen das Geld zu geben, das die Krankenkasse für eine Injektion bezahlt (im Internet kostet eine Dosis über dreihundert Euro!), da Geld bei der betreffenden Person offenbar besser antipsychotisch wirkte als erwähntes hochpotente Neuroleptikum. Zudem spart man dabei die Kosten für die Fachkraft, die die Injektion vornehmen muß und außerdem ist eine Überweisung aufs Konto gesundheitlich nicht halb so riskant wie eine intramuskuläre Injektion, vorgenommen von einem Pfleger, der das einmal in der Ausbildung gemacht hat und dann zwanzig Jahre lang nicht mehr und außerdem sich vor der Arbeit Tilidintropfen reingefahren hat. Nein, ich spreche nicht von mir, und ja, ich habe wirklich einen solchen Fall erlebt.

Mein Chef war nicht der Meinung, daß wir diese meine Idee im Team weiterdiskutieren sollten.

Apropos Risperidon. Eine ehemalige Kollegin kam einmal auf die Idee, den Hersteller von Risperdal Consta anzuschreiben und um Werbegeschenke zu bitten und tatsächlich bekamen wir einen Karton voller Kugelschreiber und Notizblöcke zugesandt. Auf den Kugelschreibern stand „Risperdal – zurück ins Leben“. Leider habe ich keinen aufgehoben….

Es ist Herbst. Ich muß ja sagen, daß mich Herbst runterzieht. Das geht wohl vielen Leuten so und macht mich nicht zu etwas Besonderem, ich weiß. Aber zur Zeit leide ich wirklich darunter, ständig erkältet zu sein (wenn man in meiner Branche ein Problem damit hat, angesabbert oder angespuckt zu werden ist man falsch, aber man muß sich, wenn man wo neu ist wohl erst an die Keime gewöhnen) und generell an der stupiden Alltagsperspektivlosigkeit, die im Sommer irgendwie nicht ganz so deprimierend erscheint. Ich meine, im Sommer sitzt man dann im Park und glotzt leichtbekleideten Frauen hinterher, im Herbst hetzt man durch den Regen und abends wenn man das Fenster öffnet riecht es schon nach Winter.

Perspektivlosigkeit. Während meiner Jugend habe ich mich damit über Wasser gehalten, daß irgendwann alles ganz toll sein wird, ein toller Job, Anerkennung, Frauen, Sex. Und nun finde ich mich wieder in diesem Mittelmaß-Leben ohne das alles. Ich weiß, das geht jedem so, aber ich jammer jetzt einfach mal darüber. Ich gehe zur Arbeit und komme völlig erledigt nach Hause, ohne jede Lust, eine Gitarre in die Hand zu nehmen oder irgendetwas aufzunehmen oder zu schreiben. Das ist doch Scheiße.

Achja, Frauen. Ich war letztens mit einer weiblichen Person verabredet zu eindeutigen Dingen. Jedenfalls bin ich der Meinung, unsere Verabredung wäre eindeutig gewesen. Als wir dann aber was essen gewesen waren, hatte sie keine Lust mehr. Und zwar nicht so, daß sie sagte „Pass auf Johannes, das ist jetzt blöd für dich, aber ich hab jetzt eigentlich keinen Bock mehr“ (das wäre doof aber okay gewesen), nein, sie schleppte mich noch zu ihr, in ein kaltes ungemütliches WG-Zimmer mit anwesendem Mitbewohner, um sich vor den PC zu setzen, mich nicht mehr zu beachten und auch alle meine relativ deutlichen Winke mit dem Zaunpfahl zu ignorieren. Wieso gerate ich immer an die total Bekloppten?!

Da geh ich lieber nach Hause, wickel mir ein Netzkabel um den Hals, ziehe fest daran und machs mir selber. Kennt ihr den Spruch „Wenn man sich davor zwanzig Minuten auf die eigenen Hände setzt ist es so, als würde es jemand anderes machen.“?

Wenn man sich selbst bis zur Bewusstlosigkeit würgt, auf dem Küchenboden in einer Urinpfütze erwacht und sich an nichts erinnern kann wegen der Hirnblutung, dann ist es, als hätte es jemand anders gemacht.