Archiv für Mai 2010

schöner leben in frankfurt und die krise des punkrock

Manchmal, wenn mein Wecker mich morgens zum Frühdienst wachklingelt, geht es irgendwie. Manchmal. Meistens ist es ziemlich unangenehm aufzustehen, und dann geht es erst nach dem dritten Kaffee, wenn ich schon auf der Arbeit bin.

Ich trinke Kaffee schwarz, und instant. Ich brauch kein Aroma, sondern drei gehäufte Teelöffel und es muß SCHNELL gehen. Wenn mir vom Kaffee morgens nicht schlecht wird, ist er nicht gut.

Eine andere Sache, ohne die ich morgens nicht auskomme, ist mein MP3-Player. Boah, ist es langweilig U-Bahn zu fahren ohne Musik. Und zum Lesen bin ich morgens zu müde. Ich brauch Krach der mich wachhält, damit ich die Haltestelle nicht verpasse. Wunderbar funktioniert morgens Hardcore, zur Zeit Deez Nuts oder die großen Scheisse Minelli, unsere Frankfurt-Aschaffenburger Homies (Sam, wir warten auf das Buch!).

In der U-Bahn sieht man immer die selben traurigen Gestalten, die zur Arbeit fahren. Typen in Malerkleidung, Jacken von irgendwelchen zweitklassigen Security-Unternehmen und ab und zu auch Banker, aber genau wie die Studenten gehen die erst ein, zwei Stunden später aus dem Haus. Und halt mich. Insofern passt auch wunderbar irgendwelche Working-Class-Mucke, zum Beispiel The Business.

Gutaussehende Frauen sind um diese Uhrzeit leider Mangelware, dafür habe ich einige Male eine ziemlich offensichtlich dem rechten Spektrum zugehörige Skinhead-Braut in der Bahn gesehen, na danke.

Frankfurt-Niederrad hat mit die so ziemlich häßlichste S-Bahn-Station der Stadt. Und das obwohl jeden morgen TAUSENDE Menschen aus der Bahn FLUTEN, um in der Bürostadt ihren langweiligen Jobs nachzugehen. Man läuft die Treppen runter, kalte verdreckte geflieste Wände, und dann fährt unten die Straßenbahn ab, deren Haltestelle unter den S-Bahngleisen in der Unterführung liegt und voller Taubenscheisse ist. Schmucklos, kein bißchen Farbe, und die paar Werbeplakate machen das Ganze noch trostloser. Diese Haltestelle ist so, als wolle man den Pendlern sagen „Ihr habt doch eh langweilige farblose Scheißjobs, ein langweiliges farbloses Dasein – die Haltestelle passt perfekt zu euch“. Oder man will das Angestelltenproletariat nicht auf den Gedanken bringen, es gäbe noch etwas im Leben außer dieser trostlosen Kacke.

An Häßlichkeit kommt nur noch die Bahnhaltestelle Galluswarte an Frankfurt-Niederrad heran. Die ist genauso gebaut. Oben S-Bahn, unten, im Vogeldreck, Straßenbahn. Als ich noch im Gallus wohnte und diesen Ort täglich aufsuchte, lebte ein Obdachloser direkt dort, in der Unterführung, an der Wand. Jetzt habe ich ja nicht soviel Ahnung, wie es so ist als Obdachloser. Bestimmt eher uncool. Aber ich fühlte mich immer versucht, zu dem Mann hinzugehen und etwas zu sagen wie „Mein Gott, leg dich doch wohin, wo es nicht GANZ so unglaublich häßlich ist.“ Zum Beispiel unter irgendeine Mainbrücke, oder in den Grüneburgpark. Zudem ist es unglaublich laut in dieser Unterführung, Millionen von Autos jeden Tag fahren da durch und oben drüber alle zehn Minuten Güterzüge, deren Lärm alles übertönt. Der Arme wurde zudem ständig von der örtlichen Pseudoghettojugend angemacht…aber naja, jeder wie er es mag.

Ich meine, ich finde es schon besser, wenn mein Steuergeld ins Bildungswesen gesteckt wird, anstatt Bahnhaltestellen mit Blümchenmuster anzumalen, aber wenn wir Geld für obskure Afghanistanabenteuer….blablabla ihr wisst was ich meine.

Was man gegen diese Häßlichkeit tun kann, wurde an der Haltestelle Taunusanlage demonstriert. Seit geraumer Zeit sind dort, direkt gegenüber der Bahnsteige an der Tunnelwand richtig gute Graffitis. Leider sind die verschwendet an die Banker, die dort immer aussteigen. Aber vielleicht tut denen ein wenig Farbe ganz gut. An dieser Stelle ein Aufruf von mir als Frankfurter Bürger an die Writer dieser Stadt: NIEDERRAD BRAUCHT EUCH! Macht meinen Weg zur Arbeit ein bißchen besser! Ich würds ja selber tun, aber ich bin echt nicht künstlerisch begabt und außerdem zu feige.

Ein anderes Thema. Hessens Punkrock ist in eine schwere Krise gestürzt worden. Das gesamte linke Spektrum dieses Landstrichs hat ein großes Problem. Und ebenso der gesamte soziale Bereich. Ein schwerer Schlag für uns alle: Roland Koch hört auf. Ich meine, was hat uns besser geeint als ein solch guter Feind? Ein Feind, auf den (bzw. GEGEN den) wir uns alle einigen konnten. Unser George W.. Die sprechende Kläranlage mit dem Trisomie21-Gesicht. Ich kann jetzt nachvollziehen, wie es war, als Strauss gestorben ist. Was sollen wir denn jetzt machen? Eine harte Zeit kommt auf uns zu, Freunde.

…but they can´t walk the walk.

Es gibt auf Parties meistens einen Zeitpunkt, an dem mir langweilig wird und ich nach Hause gehe. Dieser Zeitpunkt kommt für mich oft wesentlich früher als für die meisten anderen Besucher einer durchschnittlichen Party. Eine Ausnahme besteht, wenn laut gute Musik läuft, die mich unterhält. Dies ist jedoch auf der beschriebenen durchschnittlichen Party nur selten der Fall.

Gespräche auf Partys sind meist nicht besonders ergiebig. Ich meine, ich unterhalte mich gerne über das neue Metallica-Album oder über Filme – aber nicht drei Stunden lang. Zudem enden so gut wie alle Zusammenkünfte, die man als „Party“ bezeichnen kann, als Versammlung mehr oder weniger alkoholisierter Menschen – andere Rauschmittel mal ausgenommen.

Ich will das nicht verurteilen. Jeder hat seine Methode, mit dem Leben klarzukommen und abzuschalten. Und bei den meisten Menschen meiner Generation geschieht dies am Wochenende durch Alkohol.

(Auch ich bin nicht frei von solchen Weltfluchtverhaltensweisen.)

Menschen unter Alkoholeinfluß nerven manchmal, fast immer jedoch werden Partys an diesem Punkt der allgemeinen Pegelentwicklung totlangweilig. Unsere Welt ist voll von oberflächlichen Smalltalk-Gesprächsthemen und um vier Uhr nachts, wenn mehrere Bierkästen geleert sind, fällt das Niveau eben dieser ins Bodenlose. Wie gesagt. Ich urteile nicht. Aber ich gehe dann nach Hause, denn nirgends ist man einsamer als als nüchterner unter lauter angetrunkenen Mitmenschen.

Schon unter normalen Umständen ist die Sache mit der Einsamkeit ein Problem. Selbst unter Menschen, mit denen ich befreundet bin, fühle ich mich oft fremd. Sehr oft bedeuten mir Gesprächsthemen nichts und langweilen mich.

Ich sehnte mich oft nach Menschen, die meine Gefühle teilen. Vor allem während meiner Jugend war dies ein Aspekt, der mich einsam gemacht hatte.

Nachdem sich meine Eltern scheiden ließen, lebte ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern am Stadtrand von Augsburg. Vor meinem Fenster waren Felder. Ich lief im Sommer bei aufziehendem Gewitter über asphaltierte Feldwege und hörte Sonic Youth. Ich blieb die ganze Nacht wach und genoß die Stille eines frühen Sonntagmorgens.

Augsburg ist nicht eben klein, aber jenseits der Innenstadt ist es nachts und abends sehr still. Ich vermisse Augsburg nicht, aber ich erinnere mich gern an diese Stille. Leider gab es damals niemanden, der diese Empfindungen mit mir teilte, und teilweise ist es heute auch noch so.

Die Schönheit der Welt besteht aus dem warmen Wind, der heute Abend durch die Höhenstrasse zog, als ich gegen zehn Uhr abends aus dem Fenster sah. Sie besteht in Musik, die mich manchmal zu Tränen rührt oder dazu führt, daß ich Dinge durchs Zimmer werfe (wenn ich z.B. laut Ministry höre). Sie besteht darin, bei Gewitter Sonic Youth zu hören und im Geruch von Sommerregen auf Asphalt.

DAS will ich mit Menschen teilen. Mit Betrunkenen, die zum zehnten Mal auf einer Party einen Frauenarzt-Song laut mitgröhlen, kann ich wenig anfangen.

Ich merkte das, als ich noch bei Scüm spielte. Scüm waren (bzw. sind, für mich „waren“) eine Hardcoreband, wo es um aggressive Musik ging. Ich habe diese aggressive Seite, und es tat teilweise gut, sie auszuleben. Aber all die Abende, in denen ich der einzig nüchterne Mensch unter lauter Betrunkenen war – einsam fühlen kann ich mich auch alleine.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Ausleben von Aggressionen durch Musik und dem besoffenen Rumpöbeln. Ich wusste immer, was mich wütend gemacht hat. Meine Aggression bei Scüm war zielgerichtet, und meist auf die Bühne oder den Proberaum beschränkt. Sie war dafür ECHT. Sich auf Hardcorekonzerten zu betrinken ist meiner Meinung nach Verschwendung von Energie. Einerseits harte Musik zu machen und sich andererseits zu betäuben – das fühlt sich nicht richtig an. Ich will die Musik FÜHLEN, und zwar ohne Filter.

(Die Heilpädagogen unter uns wissen sowieso, daß WAHRNEHMUNG immer ein Filter ist – der übrigens z.B. bei Autisten nicht richtig funktioniert – also wozu NOCHMAL filtern?).

Man kann natürlich einwenden, daß ich mich sehr wohl auch betäube, in dem ich täglich 20mg Citalopram schlucke. Aber das ist etwas anderes, wirklich.

Es ist lange her, seit ich das letzte Mal ein WIRKLICH tiefgehendes Gespräch geführt habe, und das finde ich sehr, sehr schade. Meine Freunde sehe ich meistens am Wochenende und dann sind sie oft betrunken und jeder Tiefgang ist ausgeschaltet. Es ist dadurch auch schwer, neue Leute wirklich kennenzulernen. Es gibt Menschen in meinem weiteren Umfeld, die kenne ich nur betrunken in der Ecke liegend.

Um es noch einmal zu betonen: Es liegt mir fern, zu urteilen. Aber ehrlich gesagt leide ich unter der Oberflächlichkeit, die sich in jeder Spalte unseres Lebens etabliert hat.

Durch meinen Job bin ich ziemlich gut darin, mit oberflächlichem Gerede Kontakte zu Menschen herzustellen. Verbale Konfliktlösung funktioniert zu einer großen Teil dadurch, daß man versucht, mit dem Gesprächspartner eine gemeinsame Ebene zu finden, also auf ihn einzugehen, ohne ihm gleich zu nahe zu treten bzw. die Grenze zu verletzen, hinter welcher er sich angegriffen fühlt. Hierbei ist SMALLTALK eine ganz wirkungsvolle Methode.

Umso weniger Lust habe ich darauf in meinem Privatleben. Wer dieses Blog liest, weiß, daß ich irgendsowas wie Depressionen habe. Ich denke jetzt nicht an Suizid und ich bekomme mein Leben auch ganz gut auf die Reihe, aber viele Dinge machen mir oft Angst und strengen mich scheinbar mehr an als andere Menschen. Kommunikation zum Beispiel fällt mir oft schwer. Umso mehr, wenn es diese oberflächliche Sorte von Kommunikation ist.

Manchmal denke ich, daß wir alle nur auf der Flucht vor unseren Gefühlen sind und sie deshalb in einem Schwall von Gelaber begraben.

we care a lot

„it´s a dirty job but someones gotta do it…“
(faith no more)

Ich weiß nicht wie ich diese Nachmittage beschreiben soll. Die Arbeit saugt mich manchmal aus. Ich sitze zuhause und habe zu nichts Lust. Und dann klingelt das Handy und der diensthabende Kollege ist dran, ob man was wisse von dem Medikament, das er jetzt grade braucht, das aber anscheinend keiner bestellt hat.

Und man selbst weiß, daß man wahrscheinlich keine Schuld hat, zumal es Aufgabe von anderen Kollegen ist, sich um Medikamentenbestellungen zu kümmern, aber die Gedanken beginnen zu rotieren. Ob man nicht doch eine Notiz übersehen hat, daß man beim zuständigen Psychiater wegen eines Rezeptes anrufen muß und dann Schuld ist, daß ein Klient seine Spritze nicht bekommt.

Und man würde am liebsten hinfahren und die Übergabe-Notizen checken, nur um sicher zu sein, daß es ein Anderer verkackt hat. Und dann soll man abschalten und ruhig schlafen, klar.

Soziale Jobs nerven manchmal. Man hat sowas wie Verantwortung und wenn man Scheiße baut, hat es direkt Auswirkungen auf die Gesundheit eines Menschen. In Pflegeberufen ist Verpeiltheit Körperverletzung. Was also tut man, um in diesen Jobs zu überleben und sich nicht ständig schuldig zu fühlen? Richtig. Man legt sich eine Scheißegal-Haltung zu. Manche der Kollegen, die ich in verschiedenen sozialen Einrichtungen in den letzten Jahren kennenlernte, haben eine solche Einstellung. Diese Einstellung führt nur auch dazu, daß sie bei Dienstschluß den Hammer fallen lassen und eben nicht mehr aufschreiben, wenn ein Rezept fehlt und sich die nachfolgende Schicht darum kümmern soll.

Was man auch tunlichst vermeiden sollte ist die Identifikation mit Klienten. Sich mit den Klienten zu identifizieren macht empathisch und man macht die Arbeit wirklich ERNSTHAFT. Die Arbeit wird wirklich wichtig und man macht sie GUT. Umso schlimmer, wenn man Fehler macht und Fehler passieren JEDEM. Und umso schlimmer, wenn ein psychisch kranker Mensch, für den man sein Bestes gibt, in eine psychotische Phase rutscht und beginnt, einen zu hassen.

Die Arbeit mit psychisch Kranken ist deshalb übrigens entscheidend anders als die Arbeit mit geistig Behinderten (bitte kommt mir jetzt nicht mit dem P.C.-Terminus „MENSCHEN mit geistiger Behinderung“ – meine Meinung dazu: Wenn die echte Integration zu teuer ist, betreibt man halt die Integration der schönen Worte). Auch geistig Behinderte können Arschlöcher sein, sind dabei aber bei weitem nicht so retrovaginal. Na klar habe ich mir meinen Job selbst ausgesucht und ich stehe auch immer noch hinter ihm. Aber in der letzten Zeit wurde mein Idealismus durchaus erschüttert. Bei der Arbeit mit psychisch Kranken ist man als Betreuungspersonal oft Ventil für Frustration und schlechte Laune. Und an manchen Tagen habe ich das SATT. In Einrichtungen für mehrere Menschen muß man zusätzlich permanent Regeln des Zusammenlebens und therapeutische Maßnahmen durchsetzen – und ziemlich oft geschieht das nicht unter der ungetrübten Zustimmung der Betreuten. Im Extremfall hat man eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals – wie derzeit einer meiner Kollegen.

Als Patient würden mich keine zweitausend Pferde in eine therapeutische, geschweige denn psychiatrische Einrichtung bringen. Manche meiner Kollegen der letzten Jahre waren fähig und kompetent – MANCHE.

Ich arbeite in einer Einrichtung für ältere chronisch psychisch Kranke. Die häufigste Diagnose ist „chronische Schizophrenie“. Wenn der Onkel Doktor mal kreativ war, hat man „Schizoaffektive Störung“ in die Krankenakte geschrieben. „Schizo“ bedeutet Realitätsverlust („Schizo“phrenie, also Psychose), „affektiv“ heisst Manie oder Depression oder irgendsowas und „Störung“ bedeutet „nicht okay“. Die meisten unserer Klienten haben grandios katastrophale Lebensläufe, jahrzehntelange Krankheitsverläufe unter Verlust von Beruf, familiären Bindungen und Lebensperspektiven. Und ja, es deprimiert mich nicht nur manchmal. Man soll ja das beste aus seiner Lebenssituation machen. Aber wenn ich mir vorstelle, mich vor jemanden zu stellen, der seit 30 Jahren in irgendwelchen beschissenen Wohnheimen wohnt und zu sagen „Mach das Beste daraus“ – dann würde ich mir an seiner Stelle auch auf die Fresse hauen.

Es gibt aber tatsächlich Beispiele für echte menschliche Größe in solchen Einrichtungen. Menschen, die zusätzlich zu ihrer psychischen Erkrankung noch dutzende körperliche Diagnosen in der Akte stehen haben und trotzdem jeden Tag aufstehen. Derzeit betreuen wir einen Herrn, der an chronischer Schizophrenie leidet, schon einen Schlaganfall hatte und einen Herzinfarkt, nur noch mit Rollator gehen kann wegen Hemiparese (=Halbseitenlähmung) und zusätzlich, als wäre das nicht genug, Dialysepatient ist. Und nun ratet, wer von allen unseren Klienten fast die wenigste Hilfe benötigt und am wenigsten von allen jammert und immer freundlich und höflich ist, auch wenn wir ihn manchmal nerven müssen?

Wie aber geht man mit der Verantwortung diesen Menschen gegenüber um? Und wie mit Fehlern? Und wie mit den daraus resultierenden Schuldgefühlen?

Gute Frage. Nächste Frage.

gleißen

Manchmal, wenn ich vor einer Entscheidung stehe, spüre ich das Gleißen. Mir fällt tatsächlich kein besseres Wort für dieses Gefühl ein. Das Gleißen befällt mich vor allem dann, wenn es bei dieser Entscheidung um Dinge geht, die schlecht für mich ausgehen. Ich spüre das Gleißen zum Beispiel unmittelbar, bevor ich mich dazu entschließe, der Sucht nachzugeben. Vorgestern lag ich um 4 Uhr nachts hellwach im Bett, spürte das Gleißen und habe die Kurve KNAPP bekommen.

Ich fühle das Gleißen, wenn ich im Job eine Entscheidung treffen muß, die Ärger geben kann. Wenn mich zum Beispiel ein Klient fast davon überzeugt, für ihn Abmachungen oder feste Regeln zu brechen und mir damit Ärger einzuhandeln.

Das Gleißen macht sich auch bemerkbar, wenn ich merke, daß ich im Job einen Fehler gemacht habe. Es ist wie ein elektrisierendes Gefühl, das meinen ganzen Körper einnimmt. In letzterem Fall wird es jedoch zusätzlich begleitet von einem Gefühl der tiefen Niedergeschlagenheit. Ebenso, wenn ich Anschiss von meinem Chef bekomme, oder wenn Leute die ich mag sauer auf mich sind und einen guten Grund dazu haben.

Gleißen nervt.

genug ist genug

Die Frage ist, wieso ich nicht damit zufrieden bin, ich selbst zu sein. Die Frage ist auch, ob IRGENDJEMAND damit zufrieden ist, er selbst zu sein. Doch im Gegensatz zu Euch habe ich es bequem. Ich schiebe die Schuld einfach mal wieder auf meinen Erzeuger ab, dem ich nie gut genug war und der nie ein Wort des Lobes fand. Doch damit mache ich es mir schon ein bißchen einfach, zugegeben.

Ich muß leider sagen, daß es selten gereicht hat, ich selbst zu sein. Es hat nicht gereicht für Geld und es reicht nicht dafür, daß die Frauen Schlange stehen. Die Frage ist nur, ob DIESER Zustand schon eine Folge davon ist, daß ich krampfhaft versuche, über mich selbst hinauszuwachsen. Ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, wann ich das letzte Mal einfach nur ich selbst war, ohne diesen Minderwertigkeitskomplex, der mich dazu bringt, Dinge zu tun, die eigentlich NICHT ich bin. Dazu gehören Dinge, wie die demonstrativ misanthropische Haltung, die ich lange Zeit wirklich ernsthaft zur Schau stellte. Letzten Endes war das nur ein Ruf nach Aufmerksamkeit.

Seit ich denken kann, fühle ich sehr starke Emotionen in mir. Ob die stärker sind als das, was andere Menschen fühlen, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber ich werde oft weggespült von einer Welle von Emotionen, mit denen ich nur schwer umgehen kann. Da sind einerseits oft sehr lähmende Melancholie und auf der anderen Seite genauso oft Wut und eine Energie, für die mir ein Ventil fehlt. Wobei „Ventil“ das falsche Wort ist. Ich will kein „Ventil“, daß die Ladung entweichen lässt mit einem bloßen Druckausgleich als Ergebnis. Ich verspüre das starke Bedürfnis, diese Energie NICHT zu verschwenden, sondern sie dort abzuladen, wo sie hingehört. Jedoch lebe ich in einer Welt, in der ein einzelner Mensch wie ich lediglich sehr beschränkte Möglichkeiten der Einflußnahme hat, und somit fällt es mir schwer, diese Energie wirklich zu nutzen.

Ein meiner Meinung nach sinnvoller Angriffspunkt für diese Energie ist Musik. Das verändert die Welt zwar auch nicht, erfüllt mich aber dafür mit Freude. Es gibt tatsächlich wenige Momente, die mir einen so großen sinnlichen Genuß bereiten, wie wenn ich (wie heute Abend zum Beispiel) zum zehnten Mal Stargazer von Rainbow höre, oder (wie gestern) „Between Piss And Shit We Are Born“ von Anaal Nathrakh.

(Bei letztgenanntem kapieren die meisten Leute übrigens einfach nicht, daß es hier um ROMANTIK geht, die meisten raffen einfach die unglaublich wunderschöne Hookline über dem Blastbeat nicht).

Musik ist also großartig, reicht jedoch nicht immer aus. Und dann beginnt man, sich minderwertig zu fühlen. An dieser Stelle könnte ich anfangen auf „die Medien“ zu schimpfen, die uns darauf konditionieren, daß wir alle Stars sein müssen blablabla Bohlen blablabla Casting blablabla ihr wisst wie es weitergeht.

Meine Jugend ertrug ich eigentlich nur, weil ich davon überzeugt war, daß ich es eines Tages allen schon zeigen würde. Naja, ihr könnt es euch denken, Rockstarträume und so. Und nun bin ich 28 Jahre alt, und es sieht nicht so aus, als hätte ich das ZEUG dazu. Wie also werde ich es nun allen ZEIGEN? Als einigermaßen gut arbeitender Heilerziehungspfleger und Amateur/Hobby-Musiker und Feierabendblogschreiber? Also…einen guten Plot für einen Hollywoodfilm wirft dieses Leben nicht ab…

(Daß der Scheiß mit „allen zeigen“ Kinderkacke ist, weiß ich auch. Ich gebe damit ja denen, die mich damals so scheiße behandelt haben, auch noch Einfluß auf mein JETZIGES Leben. Leider führt diese Einsicht nicht automatisch zum Beenden dieser schädlichen Allen-Zeigen-Denkweise – bzw. zu dem Bedürfnis dazu).

Love Unlimited / Barry White Saved My Life

„Ich brauche wilde, verrückte Liebe“, smste mir eine weibliche Person, der ich anbat, ganz pragmatisch sowas wie eine Beziehung zu versuchen, nachdem erst sie in mich und dann ich in sie verknallt gewesen war (blöderweise nicht zum selben Zeitpunkt). Sie hat mir damit nicht das Herz gebrochen, aber es war schade. Der Witz daran ist: Wenn sie nicht die hoffnungslose Romantikerin wäre, die zu sein sie mit diesem Korb an mich bewies, fände ich sie nicht so toll. Catch 22. Wenn sie nicht so wäre, wie sie ist, wäre ich nicht verknallt in sie, aber da sie so ist, wird es nix. Ich liebe sie nicht „wild“ und „verrückt“ und sie mich auch nicht und das ist ein bißchen schade, denn wir hätten meiner Meinung nach eine gute Zeit haben können.

Ich bin Pragmatiker. Mein Herz öffnet sich nicht jedem sofort. Eigentlich öffnet es sich immer nur kurz mal, und ein solches Ereignis nehme ich meist zum Anlaß, sehr pragmatisch die Nähe zu den Menschen zu suchen, bei denen dies passiert ist – auch wenn einen Tag später mein Herz wieder verschlossen scheint. Mein Herz benötigt mehrere solcher Anlässe, um sich tatsächlich dauerhaft für einen Menschen zu öffnen. Aber WENN dies geschieht, ist es dafür echt. Jedoch benötige ich ein paar Versuche mit der Nähe des betreffenden Menschen. Und wir sind wieder bei Verordnung 22 angelangt. Um wilde, verrückte Liebe zu spüren, benötige ich die Nähe, die manche Personen erst zu geben bereit sind, wenn wilde, verrückte Liebe im Spiel ist.

Ich bin KEIN kaltherziger Mensch. Und meine Verachtung für Romantiker ist nur oberflächliche Punkrock-Attitüde.

Viele Menschen beteuern immer wieder, daß ich garnicht soooo schlechte Chancen beim weiblichen Geschlecht hätte, wenn ich nicht der misanthropische Jammerlappen wäre, der ich nunmal bin. Jaha. Nun fragt euch doch mal WIESO ich dieser misanthropische Jammerlappen bin. Zweiundzwanzig und so.

(Wer die Sache mit der 22 nicht kapiert, dem sei der bekannte Roman von Josepf Heller ans Herz gelegt – oder googelt es einfach).

Bisweilen trieb ich mich in der Vergangenheit so ein kleines bißchen in der Wehtun-Geilfind-Szene rum, und dort ist es sehr in Mode „POLYAMURÖS“ zu sein. Dieser Terminus geht bei mir als Euphemismus für „Rumgefickerei“ durch. Findige Rumhurer/innen, die sich dieses Terminus´ bedienen, kreierten hierzu einen philosophischen Überbau, der besagt, daß es möglich sei, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben und daß der Mensch aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte blablabla. Klar ist es möglich, mehrere Menschen zu lieben. Ich liebe zum Beispiel zumindest eine Person, die mit mir nicht blutsverwandt ist, sehr sehr sehr. Aber hierbei geht es nicht um Sex sondern um Seelenverwandtschaft und Familie (auch ohne das doofe Blut). Wenn ich rumhure, dann nenne ich es auch so. Also. Falls ich je die Gelegenheit zum Huren bekomme.
Komischerweise bezeichnen sich vor allem weibliche Angehörige oben erwähnter Szene als …ich will das doofe Wort nicht mehr schreiben. Ein verbitterter Zyniker, wem hierbei in den Sinn kommt, daß in betreffendem Umfeld die Männerquote die weibliche um das ca. fünffache übersteigt. Aber hey. Klar. Ich bin neidisch. Geb ich offen zu. Alles Schlampen. Ach, abgesehen davon habe ich keine Lust zu teilen.

Wenn wir schon beim Thema „Ficken“ sind. Eine Frage an die Pornoindustrie. WOZU dreht ihr für HETEROSEXUELLE Männer Pornos, in denen Männer vorkommen?! Entschuldigung, aber Männer sind echt ekelerregend. Ich will das nicht sehen. Ich fordere eine Lesbenquote in Pornos für heterosexuelle Männer. Abgesehen sollten folgende Dinge aus pornographischen Filmen verschwinden: Hohe Schuhe, Strumpfhosen, Strapse und Korsetts. Alles super-NOT-hot. Jaja, ich bin ein Freak.

Wer mich kennt weiß, daß ich auch ziemlich auf Frauen mit richtig kurzen Haaren stehe. Ich meine jetzt echt RICHTIG kurz. About fünf Millimeter und drunter. Wieso? Weil ich Kopfformen so errektionsfördernd finde? Nein. Ich stehe einfach ziemlich arg auf radikale Frauen. Zum Beispiel radikale Romantikerinnen SCHEISSE! Ich fand sogar mal eine Frau toll, die in einer veganen Straight-Edge-Band gesungen hat. Nicht weil ich Veganer wäre oder weil mir die Rechte der Tiere als ethisch zu behandelnde Wesen so wichtig wären. Nein, ich fand es cool, daß sie so radikal ist. Und klar, eine Haarlänge von fünf oder weniger Millimeter bei einer weiblichen Humanoidin zeugt von solch einer Radikalität. Insofern bin ich aber auch bereit, auf die kurzen Haare zu verzichten, wenn die Radikalität ansonsten stimmt.

Wieso aber zieht mich Radikalität an? In letzter Zeit bin ich mehr und mehr bereit einzugestehen, daß auch eine Haltung, die nicht auf einem Extremstandpunkt beruht, durchaus sinnvoll sein kann – und daß vielleicht der Extremstandpunkt, den ich bisher als einen meiner herausragenden Charakterzüge betrachtete, auch dafür verantwortlich ist, daß es mir so schwer fällt, Zufriedenheit zu empfinden. Aber bin ich bereit, die LEIDENSCHAFT für ZUFRIEDENHEIT zu opfern? Und…ist das überhaupt nötig? Zur Antwort auf diese Frage dringe ich bisher nicht vor. Klar ist aber: Radikalität (und damit meine ich ERWACHSENE Radikalität, nicht jugendliches „Deutsche Polizisten schützen die Faschisten!“) zeugt von Einsatz für etwas, von gewissen Werten. Und sehnen wir uns nicht alle danach? Nach gewissen Werten? Nach einem Menschen der sagt „Nein. Das ist nicht egal. Das wird hier nicht relativiert! Das geht nicht!“? Also ich schon. Vielleicht ist das auch meine Sehnsucht nach einer Art Vaterfigur (die eben durchaus auch weiblich sein kann). Die Sehnsucht nach festem Boden in einer Welt, in der man permanent von uns erwartet, nicht zu ertrinken.

(Hehehe, da hab ich die Kurve wieder gut gekriegt zum pathetischen Schluß, oder? Was sagt ihr zu der tränenglänzenden Metapher mit dem Ertrinken? Ich bin so der Pathos-Hustler Alta.)

„Ich mag Schnee.“ Interview mit dem Yeti, Teil 1

Es ist eine beschwerliche Reise in die Heimat des Yeti. Von nächsten Flughafen bis in die Höhen des Himalaya benötigt man einige Tage. Und der Fußmarsch bis auf 6000 Meter Höhe hat es in sich. Nur geübte Bergsteiger sollten sich diese Tortur zutrauen.

Unser Interviewpartner hat es abgelehnt, weiter von seinem Wohnsitz herabzusteigen. Er ließ ausrichten, er sei bereit, diese Anstrengung für „wirklich wichtige“ Dinge auf sich zu nehmen, ein Interview mit einem europäischen Online-Fanzine sei jedoch keine solche Sache. Also nahme wir den Weg auf uns, um den Yeti in seiner Heimat zu besuchen.

Viel ist über den Yeti geschrieben worden, viele Gerüchte gehen um jenes mystische Wesen um. Reinhold Messner will ihn gesehen haben und auch unter den Bewohnern des tibetischen Hochlandes kursieren viele Legenden über sein Leben. Es war an der Zeit, ihn hierzu genauer um Auskunft zu ersuchen und so traten wir in E-Mail-Kontakt mit dem Yeti, um einen Interviewtermin mit ihm zu vereinbaren

Wir schlugen unser Basislager in über 6000 Meter Höhe auf. Der Yeti hatte ausgerichtet, wir sollten ihn dort erwarten. Genauere Ortsangaben machte er nicht. Unseren Einwand, das Himalaya-Gebirge sei groß und weise viele Orte in dieser Höhenlage auf, wischte er beiseite. Er würde uns finden.

Und tatsächlich. Eines Abends, als wir gerade in unserem Basislager zu abend aßen, stand er vor unserem Versammlungszelt.

Es ist schwer, nicht beeindruckt zu sein von einer etwa drei Meter fünfzig großen Gestalt, die über und über mit einem zotteligen weißen Pelz bedeckt ist. Gleichzeitig wirkte er weder bedrohlich noch übermäßig ernst. „Guten Abend“, sagte er in beinahe akzentfreiem Deutsch, mit einer recht tiefen Stimme und setzte sich in den Schnee.

Night On Mars: Herr Yeti, wir freuen uns außerordentlich, dass wir sie interviewen dürfen. Bitte gestatten sie uns als erstes die Frage, wie es kommt, daß sie unsere Sprache sprechen?

Yeti: „Ich halte mich auf dem Laufenden.“

Night On Mars: Herr Yeti, wo wohnen Sie?

Yeti: „Ich lebe in einer gemütlichen Höhle in etwa 7000 Meter Höhe im Hochhimalaya. Den genauen Ort will ich nicht nennen. Wir leben ein sehr geruhsames Leben und wir würden uns wünschen, dass dieses Leben nicht gestört wird. Wer wirklich ein elementares Interesse hat, mich und meine Nachbarn zu finden, der wird uns auch so aufstöbern. Wir sind nicht fremdenfeindlich. Jeder Besucher ist uns herzlich willkommen, aber wir wollen nicht, daß Leute nur aus Sensationslust zu uns kommen.“

Night On Mars: Sie sprechen von „wir“ und „uns“. Wer sind ihre Nachbarn?

Yeti: „Ich lebe in unmittelbarer Nachbarschaft mit einigen Schneehuhnfamilien. Unsere Gemeinschaft mag sehr behütet sein, wir interessieren uns jedoch auch, was in der Welt vor sich geht. Nun, bis zu einem gewissen Grad. Die tägliche Konsistenz des Schnees ist uns weit wichtiger, als das, was Sie da unten so treiben.“

Night On Mars: Immerhin kann man Sie per E-Mail erreichen…

Yeti: „Ich habe sehr lange alleine gelebt, mal von meinen Nachbarn abgesehen. Es gab eine Zeit, vor einigen Jahren, da interessierte mich die Welt der Menschen außerhalb des Himalayas sehr. Zu dieser Zeit richtete ich mir eine E-Mail-Adresse ein. Mittlerweile kucke ich einmal pro Monat rein und laß meinen Computer ansonsten aus.“

Night On Mars: Womit verbringen sie Ihre Zeit? Wovon ernähren Sie sich?

Yeti: „Mein Metabolismus benötigt keine „Ernährung“ bzw. diese Form der Energiezufuhr, wie Sie sie kennen und praktizieren. Ich lebe und existiere. Meine Tage verbringe ich mit ausgedehnten Scheewanderungen und mit dem Spielen meiner Schneeklarinette.“

Night On Mars: Sie spielen ein Instrument?

Yeti: „Zur Zeit treffe ich mich alle paar Tage mit einigen Schneehühnern, die mich freundlicherweise in ihre Kapelle aufgenommen haben. Es ist eine sehr entspannende Tätigkeit, auch wenn Schneehühner ihrem Wesen nach recht aufgekratzte Zeitgenossen sind – sie sind wundervolle Musiker und sehr liebevolle Gefährten.“

Night On Mars: Wie sieht Ihr Verhältnis zu Reinhold Messner aus?

Yeti: „Reinhold ist in Ordnung. Ich meine, was soll man schon gegen einen Menschen haben, der sein Leben damit verbringt, Berge hochzulaufen. Man kann seine Zeit weitaus schlechter nutzen. Wir hatten einige sehr interessante Gespräch, wobei er meine Begeisterung über die unterschiedlichen Arten von Schnee nicht nachvollziehen konnte. Er hat ja auch von mir erzählt, da unten. Aber das ist in Ordnung. Ich meine, ich hab meinen Nachbarn ja auch von ihm erzählt.“

Night On Mars: Sie sollen auch mit dem Dalai Lama befreundet sein?

Yeti: „Wissen Sie, ich bin mir im Klaren darüber, dass der Dalai Lama in Ihrer Welt da unten eine sehr populäre Person ist. Ich will mich nicht brüsten, dass ich einen so berühmten Mann kenne. Er sagt immer, sein Ziel sei es, so zu leben wie ich. Ich verstehe das nicht. Ich meine, ich mag meine Lebensweise. Aber für einen Menschen? Hier oben, ohne Pelz? Das erscheint mir als….nunja, es erscheint mir als unpassend.“

Night On Mars: Wie erscheint Ihnen die Lebensweise der Menschen?

Yeti: „Wissen Sie, ich mache mir darüber nicht soviele Gedanken. Ich bin ein Yeti. Ich lebe hier oben, habe genug Platz. Ich muss nicht essen und nicht meinen Lebensunterhalt verdienen. Mir tun die Menschen leid, so wie sie da zu Milliarden aufeinander leben und dann auch noch von ihresgleichen unterdrückt werden…ich verstehe das auch nicht. Mein Leben dreht sich um Schnee und Schneeklarinette spielen. Mehr brauche ich nicht.“

tagespolitik und publikumsbeschimpfung

Ich lese ja kaum Zeitung. Aus gutem Grund. Ich habe es satt, mich aufzuregen. Das tue ich so schon genug. Außerdem finde ich es nicht besonders wohltuend für meinen Blutdruck, mir gleichzeitig mit dem Konsum der täglichen Katastrophen meiner eigenen Machtlosigkeit im Zusammenhang mit ihnen bewusst zu werden.

Aber da gibt es schon ein paar Dinge, die ich nun mal kommentieren will. Eine erschreckend sinnlose Aufgabe, da dieses Blog im Schnitt von 3-4 Menschen gelesen wird. Ich stell demnächst ein hübsches weibliches Profilfoto ein und schreibe nur noch über Sex. Ich nehme mal an, dann wird sich das ändern. An dieser Stelle will ich darauf hinweisen, daß ich ein atypischer „Blogger“ bin. (Also eigentlich bin ich ja einfach jemand, der was schreibt und dann hochlädt). Ich studiere nicht und arbeite nicht in der Medienbranche. Nicht mal ansatzweise. Ich habe nichtmal Abitur. Okay, ich war bis April ein Semester lang an der Frankfurter Uni eingeschrieben – aber bin nicht hingegangen. KEIN einziges Mal. Ich habe einen festen Job. So mit Arbeitsvertrag. Ich zahle Lohnsteuer! Ich arbeite (meistens) nicht am PC! Und da jeder eine Rolle in diesem Leben braucht, ist es meine, das Internet für die Working Class zu erobern und nicht den Medienarschfickern zu überlassen. Ja, ich benutze dieses Wort extra, damit ihr schockiert seid, ich bin nämlich soooo homophob. Achja. Ich finde Deichkind scheiße.

Aber zurück zur aktuellen Weltlage. Da ist diese Sache mit dem sexuellen Mißbrauch in der katholischen Kirche. Und die Sache mit diesem Augsburger Bischoff. Jetzt mal ehrlich. Der Typ ist wirklich nicht eben ein Sympath. Sein Statement, die sexuelle Befreiung sei schuld an Mißbrauchsfällen, ist so ziemlich das dümmste, was ich seit langem gehört habe. Und das schreibt jemand, der in seinem Leben VIELE Menschen mit geistiger Behinderung um sich hatte.

Nun ist dieser Typ ein echter Volldepp. Wenn er aus seinem Amt enthoben wird ist das nun wirklich kein Verlust für die katholische Kirche. Oder für die restliche Welt. ABER. „Sexueller Mißbrauch“ bzw. „Körperverletzung“ sind nun wirklich keine leichten Anschuldigungen. Es herrscht ja in der Öffentlichkeit (die konservativen Kreise der katholischen Kirche mal ausgenommen) mittlerweile ein Konsens darüber, daß dieser Typ ein Kinderficker ist. Oder zumindest ein Kinderprügler. Jemand der wirklich moralisch HÖCHST verwerfliche Dinge getan und Menschen schwer verletzt hat. Kennt jemand der Leser den betreffenden Herrn?! Kennt jemand einen der Menschen, die er geschädigt haben soll? Worauf ich hinaus will: „In Dubio Pro Reo“ muß auch für Volldeppen und Arschgeigen gelten.

Achja, Krise. Wenn ich nochmal „Krise“ höre, kotze ich ich. Bei mir ist IMMER Finanzkrise. Wenn alle Welt von „Krise“ redet…. Tja. Ich kann die restliche Welt nur in meiner kleinen Welt willkommen heißen. Machts euch gemütlich. Kekse stehen auf dem Tisch. Die hab ich mit meiner EC-Karte bei Netto bezahlt. Esst schnell, bevor Netto merkt, daß die Buchung nicht abgehen wird und Inkasso Moskau schickt um die Kekse zurückzuholen. „Sind wird glücklich Vincent?“

Und dann lese ich in der Zeitung (ja, auf der Arbeit blätter ich manchmal in der Pause die Bild durch) und erfahre, unsere dritte Frau im Staat (jaha, Bundeskanzler/in ist nur das DRITThöchste Amt der Bundesrepublik, nicht aufgepasst in Sozialkunde?) habe sich bei der finanziellen Unterstützung für unser etwas bankrottes Nachbar-EU-Griechenland VERZOCKT. „VERZOCKT“. Also, wenn mein notleidender Nachbar mich um nen Hunni anhaut, weil er sonst seine Miete nicht zahlen kann – und ich diesen Hunni geben kann ohne daß mir der Strom abgestellt wird….habe ich mich dann VERZOCKT?! Diese Einstellung halte ich für latent materialistisch und….asozial. Wer sowas schreibt stellt auch seinen Kindern das Essen in Rechnung, das sie VERBRAUCHT haben, während sie aufgewachsen sind.

Dann gibt es noch diese Sache mit der Asche. Das ist das so ziemlich blödeste Thema das seit langem durch die Medien ging. Ich präsentiere hier eine Reihe wirklich sehr dummer Wortspiele:
„Das geht mir am A(r)sch(e) vorbei.“
Hm. Mehr fällt mir nicht ein.