Archiv für April 2010

kill em all.

Was bedeutet schon Gerechtigkeit im Land der Formulare, im Land des „muss-genehmigt-werden“, in einem Land, in dem Ärzte, Krankenschwestern und Sozialarbeiter nach MINUTEN bezahlt werden, die sie hilfsbedürftigen Menschen widmen? In einem solchen Land bedeutet Gerechtigkeit NICHTS. Nichts, was institutionell garantiert werden kann. Oh, Sie wollen Gerechtigkeit? Bitte füllen Sie dieses Antragsformular aus und achja, haben sie eine Überweisung Ihres Hausarztes zu „Gerechtigkeit“ dabei? Und bitte die Praxisgebühr noch bezahlen.

Das meiste Geld im Sozialwesen geht in die Verwaltungen der Kostenträger. Sesselfurzer, Bürofachkräfte, Betriebswirtschaftsleute. Arschgeigen, die zu dumm oder zu feige oder einfach zu scheiße waren, etwas Anständiges zu lernen und nun in ihren Büros rumhängen, Papierstapel von links nach rechts schieben und deren Hauptbeschäftigung es ist, sich das Maul über die eine Kollegin zu zerreißen, die zwei Tische weiter sitzt. Und diese Leute bestimmen über unser Leben. Wird langsam klar, daß hier etwas nicht stimmt? Ich hasse diese Wichser und plädiere dafür, daß ein Großteil dieser Leute bei der nächsten Revolution einen Kopf kürzer gemacht wird. Ich HASSE es, daß ein Großteil meiner Arbeitzeit, die ich eigentlich darauf verwenden sollte, Menschen zu HELFEN, dafür draufgeht, die Ansprüche dieser Ich-schiebe-mir-den-Penis-meines-männlichen-Elternteils-ins-Rektum-Leute zu erfüllen, Anträge auszufüllen und Dinge zu DOKUMENTIEREN.

Also nehme ich mein Scharfschützengewehr und auf gehts nach Wiesbaden. Wir fangen klein an, die Bundesverwaltungen in Berlin kommen später dran. Ich suche mir ein paar gemütliche Plätzchen auf Häuserdächern gegenüber von Ministerien, Krankenkassenverwaltungen und dem Landeswohlfahrtsverband und beginne damit, das Problem zu lösen.

Nach einer Weile wird klar, daß es noch mehr Probleme zu lösen gibt in diesem Land. Da sind hunderte, tausende von „Erziehern“, kirchlichen „Würdenträgern“, die in Einrichtungen für Kinder gearbeitet haben – entweder in kirchlichen in Bayern oder in geschlossenen Erziehungsheimen in der mittlerweile abgeschafften SBZ. Die Vorwürfe prallen von ihnen ab. Es steht Aussage gegen Aussage und jede Anklage ist verjährt oder wird aus Mangel an Beweisen abgeschmettert. „Ich habe ein reines Herz“, sagt ein gewisser Augsburger Kirchenwürdenträger. Wie kann ein Herz „rein“ sein, wenn eine Kugel darin steckt?!

Ich glaube übrigens nicht, dass die katholische Kirche besonders anfällig ist, was den Mißbrauch von Schutzbefohlenen angeht. Wahrscheinlich ist es ÜBERALL so, wo es „Schutzbefohlene“ gibt. Ich glaube auch nicht, daß Mißbrauch mit dem Zölibat zusammenhängt. Wer sein Zölibat nicht erträgt der findet doch weniger abscheuliche Wege, es zu brechen, oder? „Ich muß dieses Kind vergewaltigen damit ich mein Zölibat nicht mit einer erwachsenen Frau breche.“ Das ist doch unlogisch? Auf der anderen Seite…wenn man es nicht aushält, aber grade keine willigen Erwachsenen zur Verfügung stehen (und das tun sie sehr, sehr selten – eigene Erfahrung)…

Diese Menschen glauben an Gott. Also ist es nicht so schlimm wenn ich unglücklicherweise einen Unschuldigen erwische. Kill them all, god will sort them out.

In diesem Zusammenhang will ich einen der wenigen kompetenten Pädagogen zitieren, die ich in meinem Leben kennenlernen durfte, einen meiner ehemaligen Deutschlehrer, by the way CSU-Mitglied und wahrscheinlich gläubiger Christ: „Was soll das Wort KindesMISSbrauch?! Gibt es eine korrekte Handlung namens KindesGEbrauch?!“

Natürlich bin ich weit davon entfernt, in Realität Gewalt anzuwenden. Aber all diese Dinge erfüllen mich mit Wut und Hass und diese beiden Gefühle benötigen ein Ventil. Ich bin in diesem Sinne ein Schreibtischtäter. Ich stelle mir die Handlung des Abdrückens vor und fühle mich ein klein wenig besser.

Anscheinend ist in dieser Gesellschaft, in der nur Formulare, Anträge und Kostenzusagen zählen, Gewalt einfach weitverbreitet. Wir ereifern uns über die drakonischen Gesetze islamischer Staaten, die die Scharia ohne Rücksicht auf Verluste gegenüber kleinen Kindern anwenden, wir sehen herab auf das Justizsystem der USA, wo geistig behinderte und Jugendliche eingesperrt und schlimmstenfalls staatlich ermordet werden, wir sind empört über Guantanamo – und dabei liegen die Scheißehaufen meterhoch vor unserer eigenen Haustür. Es wird Zeit, aufzuräumen.