Archiv für Juni 2009

das soziale gewissen

Ich entreiße der alten Dame die Handtasche und schubse sie in einen Haufen Hundekacke. Gibts ja genug davon in Frankfurt. Bevor andere Passanten Notiz nehmen lauf ich die Rolltreppe hoch, zur S-Bahn. Da steht auch glücklicherweise grade eine S-Bahn abfahrbereit. Die Türen tun echt weh, wenn man sich noch dazwischenzwängt, wenn die Bahn schon fahren will.

Ich steige eine Station später wieder aus, Hauptbahnhof. Die Tasche der Frau immer noch in der linken Hand.
„Hey, haste mal bißchen Kleingeld?“
Ich gebe der weiblichen Crackschnorrerin mit Zahnlücke einen Euro.
„Ey, geb mir noch was bitte, dann kann ich mir was zu essen kaufen!“
„Nein.“
Sie läuft mir nach.
„Komm, gib mir noch zwei Euro….“
„Nein verdammt!“ schreie ich. Scheiß Crackheads.
Ich laufe durch die B-Ebene. Zwei Yuppies kommen auf mich zu. Es ist zehn Uhr abends. Die beiden sehen aus wie brave perfekte Schwiegersöhne.
Der linke spricht mich an:
„Ey, sag mal, weißt du nicht wo hier so ein echter Straßenstrich ist?“
Ich sags ihm und der Typ kriegt von einer von einer echten Frankfurter Cracknutte einen geblasen und danach seine Geldbörse geklaut. Daß sie HIV-positiv ist, merkt er erst drei Monate später, als seine Frau, sein Chef und seine 11-jährige Tochter es auch schon haben.

Ich finde ein ruhiges Plätzchen in einer Ecke, wo es zum Main runtergeht. Ich setze mich auf ein Mäuerchen und leere die Tasche aus. Da ist ne Packung Marcumar drin, ein Döschen mit Tabletten ohne Aufschrift, Taschentücher, eine Einlage, eine Überweisung zum Orthopäden und – keine Geldbörse. Scheiße.

Eine Freundin lehrte mich einst kroatische Sprichwörter. Es war spät am Abend, aber falls ich mich recht entsinne sagt man dort statt „scheiße“ Dinge wie „Ich ficke ein Pferd“ oder „Ich ficke ein Pferd in den Arsch“ oder „Ich fick die Fotze deiner Mutter“ oder als ultimative Steigerung „Ich ficke ein Pferd in den Arsch auf dem Grab deines Vaters während sich deine Mutter reinerbricht“ oder so. Oder war das ein serbischer Fluch? Egal. Der Balkan ist mir sympathisch.

daily hate

„my hate makes me a stronger man, my hate helps me to understand…“
(stuck mojo – hate breed)

Ein weiterer Morgen. Ach, was sag ich. Eine weitere Nacht. Es ist fünf Uhr morgens und mein Wecker macht DIDIDIDIDIDIDIDIDIDIDIDIDIDIDIDIDID….ich lieg da in meinem Bett und denke nur „Was ist los? Wo bin ich?“ bis die böse Erkenntnis – im wahrsten Sinne des Wortes das BÖSE ERWACHEN in mein Hirn steigt. Scheiße, wie lange hab ich geschlafen? Fünf Stunden?

Ich schalte den Wecker aus und erhebe mich unter unmenschlicher Anstrengung aus meinem Bett. Schlaftrunken den PC anmachen und ebenso schlaftrunken Kaffee kochen. Danach vor dem PC Kaffee trinken und mit Kopfhörer Musik hören – Mitbewohnerin pennt noch (JEDER außer mir pennt noch!).

Der Kaffee zeigt seine Wirkung: Mein Darm wird aktiv und ich geh kacken. Irgendwie ist mein Stuhlgang so früh morgens immer ziemlich flüssig. Egal. Nochmal Kaffee, nochmal kacken. Dann onanieren und schließlich dusch ich und zieh mich an und dann muß ich auch schon los.

Kapu an, Kopfhörer auf, Kapuze hoch und auf gehts zu Bahn. Es ist kalt. Ich laufe in meinem Viertel beinahe generell auf der Straße, da die Frankfurter Gehsteige voller Hundekacke sind.

Was sich um diese Zeit in den S-Bahnen tummelt ist der bemitleidenswerte Abschaum unseres Landes. Welcome to da club. Berufspendler. Viele bürgerliche Deutsche, die schon lange Frankfurt verlassen haben, da sie ihre Kinder im schönen Taunus aufziehen wollen, aber leider noch zum arbeiten in die Stadt müssen. Und deutscher white trash. In meinem Viertel gibt es entweder Migranten, die sind okay – oder white trash. Leute, die sich dadurch, daß sie sich durch Bild-lesen normal machen wollen – und denen man ihren beträchlichen Knall in Verbindung mit ansozialisierter Blödheit und Alkohol deutlich ansieht.

Ein gutes hat es. Man sieht keine Studenten. Irgendwie hab ich was gegen Studenten. Also nicht persönlich. Einige gute Freunde von mir sind Studenten. Aber mal ehrlich, das ist doch nicht normal oder? Das kann die Natur doch nicht gewollt haben?

Es gibt nichts schlimmeres, als perfekt integrierte Menschen, die sich alternativ geben – aber doch nicht so alternativ, daß sie die Vorteile ihrer arischen Abstammung und Gymnasiumssozialisation aufgeben müssten.

(Ich muß mich jetzt glücklicherweise nicht selbst beleidigen, denn ich bin zwar mit einem bürgerlichen Deutsch gesegnet und war auf einem bayerischen Gymnasium ABER ich hab kein Abi gemacht und ihnen den Fickfinger gezeigt. Ich bin so toll!)

Die sind alle hübsch, haben Sex, Geld, heile Familien, hören behinderte alternative Gitarrenmusik und wollen mit Leuten wie mir nix zu tun haben.

Ist natürlich Quatsch, aber ein wenig ist das schon so. Diese Leute werden einmal in meine Arbeitsstelle kommen, ein Sozialpädagogik-Diplom in der Tasche, keine Ahnung von irgendwas (geschweige denn von sowas wie LEBEN) haben und meine Vorgesetzten sein. Nur weil sie den Kapitalismus-Anpassungstest namens Abitur bestanden haben.

Vielleicht würde ich nach Beendigung meiner Ausbildung auch noch studieren, aber die Studiengebühren, die es bestimmt bald wieder geben wird, werden das nicht zulassen.

ACHTUNG! ÜBERTREIBUNG! METAPHER! NICHT WÖRTLICH GEMEINT!!!!
Studienproteste in Hessen werden nichts nutzen, solange niemand mit Kalashnikow den Landtag stürmt und diverse Menschen von oben nach unten aufschlitzt.

Egal. Ich bin auf der Arbeit. Eine Einrichtung für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen. Politisch korrekt müsste ich sagen: „Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen“ und einfach „Menschen mit besonderen Fähigkeiten“. Das ist so wie Schulen für geistig behinderte Menschen irgendwann Schulen für „praktisch Bildbare“ waren und jetzt „Förderschulen“ heißen. Die veränderten Bezeichnungen sollen auf ein neues Bild behinderter Menschen in der Gesellschaft hinweisen, auf mehr Toleranz, die sich dann in Realität so zeigt, daß Mittel gekürzt werden, denn auch Menschen mit geistiger Behinderung sollen Eigenverantwortung übernehmen.

In unserer Gruppe kann keiner der betreuten Menschen bis drei zählen. Geschweige denn, sie wissen was „zählen“ ist und daß man damit bei „eins“ anfängt. Aber ihr könnt euch sicher sein, daß ich jeden dieser Leute unendlich viel mehr respektiere als all die Vollidioten, die uns Tag und Nacht aus dem Fernseher und aus der Zeitung heraus mit Scheiße zumüllen.

Feierabend. Ich bin im Arsch. Gehe nach Hause. Vorher nochmal in den Supermarkt. Jeder der Pennymarkt-Filialen in nicht sooooo teuren Vierteln in Großstädten kennt weiß, was dort abläuft. Das ist die Realität. Und ehrlich gesagt ist es das letzte, was ich abends nach der Arbeit sehen will. Überforderte white-trash-Mütter mit schreienden ADS-Kids, Alkis…und darunter erstaunlich wenige Migranten. Obwohl Frankfurt zur Hälfte aus Ausländern besteht. Das meine ich positiv. Scheinbar ist abfucken typisch deutsch. Wahrscheinlich schlägt auch ein gewisser Prozentsatz Türken oder Nigerianer seine Kinder und Frauen und säuft, aber irgendwie wirken sie dabei in der Öffentlichkeit nicht ganz so ekelhaft wie ihre deutschen Gesinnungsgenossen.

Ich gehe nach Hause. Dort esse ich irgendwas fettiges und ungesundes, schreibe, höre Musik und gehe früh zu Bett. Auf ein neues morgen.

die idee hab ich nicht aus southpark.

Ich weiß, daß sie keinen Bock auf meinen Gig haben. Sie warten alle auf den Hauptact. Vor mir ist ein Saal, gefüllt mit betrunkenen Idioten. Schon als ich die Bühne betrete fliegen Pappbecher und ich sehe in ein Meer von Mittelfingern.

Aber ich bin ein Profi. Ich lächle das Publikum an und sage „Guten Abend“ ins Mikro und beginne dann mit meinem Set. Ich weiche Flaschen aus und ignoriere Pfiffe und Sprechchöre, die mich dazu auffordern, meinen Auftritt zu beenden, mit meiner Mutter den Geschlechtsakt zu vollziehen oder mich auszuziehen.

Ich bin ja gewarnt worden. Ich konnte es mir auch denken. Dem Alkohol zugeneigte Menschenmassen, die Gitarrenpopmusik mit Mitsingqualitäten hören wollen und feiern wollen, reagieren eben in der Regel negativ auf Subbässe und langsame Beats. Aber ich habe meinen Mischer mitgebracht, der hat den Finger am Volume- und vor allem am Bassregler.

Der Veranstalter ist sichtlich nervös. Er hat keine Erfahrung mit solchen Veranstaltungen und erkennt, daß es ein Fehler war, mich als Support zu buchen. Vorhin wollte er mich überreden, garnicht erst aufzutreten. Er bot mir an, mir meine Gage auch so zu zahlen. Aber erstens hätten wir das auch neu vertraglich regeln müssen, denn wenn ich meinen Vertragsplichten nicht nachkomme, habe ich keinerlei Anspruch auf das Geld – und er kann immer noch im Nachhinein behaupten, wir hätten eine Abmachung wie die, die er mir eben aufzudrücken versucht hat, nie gehabt.

Aber viel wichtiger ist: Ich habe schon lange nicht mehr so einen Spaß gehabt. Seit ich vor vielen Jahren angefangen habe, habe ich solch ein Publikum nicht mehr gehabt. Immer waren es Leute, die auf meine Musik stehen, die sich gesittet verhalten. Kiffer, die selbst wenn man sie absichtlich anpissen will, zu keinerlei Form der Aggressivität imstande sind.

Ich spüre, wie grade eine Form von Erregung durch mich fließt, die ich schon seit langer, langer Zeit vermisst habe. Provokation.

Und so stehe ich auf der Bühne und muß mich stark zusammenreißen, nicht breit zu grinsen. Am anderen Ende des Saales steht Hanni am Mischer und ich kann sehen, daß es ihm ähnlich geht. Den Veranstalter, der in Abständen von fünf Minuten zu ihm hinters Mischpult tritt und ihn bittet, doch leiser zu machen (es hätte schon Vandalismus in den Toiletten gegeben), ignoriert er. Er nickt, höflich lächelnd, wie das so seine Art ist – und schiebt den Bassregler nach oben.

Ich weiß nicht, was für ein Problem der Veranstalter hat. Jeder weiß doch, daß die Leute umso mehr trinken, je schlechter sie die Musik finden. Aus welchem Grund sollte denn sonst in nahezu allen Amüsierlokalitäten so dermaßen schlechte Musik laufen? Das Problem ist halt, daß die Leute umso mehr kaputtmachen und vollkotzen, je mehr sie trinken.

Ich merke wie die Stimmung im Saal schwankt. Nicht mehr lange und sie werden hochkommen und mich von der Bühne prügeln wollen. Es wird Zeit zu rocken.

Ich habe einen guten Freund. Er ist zur Zeit Praktikant im Büro des Großkneipiers, von dem der Veranstalter dieses Abends den Saal gemietet hat. Mark ist durch und durch verrückt. Er ist fanatischer G.G. Allin-Fan und macht wirklich jeden Mist mit. Ohne Rücksicht auf Verluste. Daß er mit seinen 28 Jahren immer noch keine Berufsausbildung oder ein Studium oder irgendetwas sonstiges Bürgerliches vorweisen kann, ist diesem Umstand geschuldet.

Jedenfalls hat Mark Zugang zu allen Etablissements seines Chefs, bzw. Zugang zu den Schlüsseln für all die Brandschutztüren in diesen.

Gestern nacht war ich mit Mark hier, und habe, unbemerkt von Veranstaltern oder sonstigen Zeugen unter der Bühne einen etwa zwei mal zwei Meter breiten Gigcase abgestellt. In diesem rollbaren Case, in dem normalerweise Equipment transportiert wird, befindet sich ein Haufen Elektronik, den Hanni und einer seiner Kollegen zusammengefriemelt haben. Hanni ist im bürgerlichen Leben Elektroingenieur. Seit seiner Jugend befasst er sich mit dem reparieren und konstruieren von Verstärkeranlagen. Er ist ein Nerd.

Als der Beat einsetzt, drücke ich eine Taste am Synthie und der Subwoover in dem Gigcase unter der Bühne sendet einen nicht hörbaren Niederfrequenzton aus, der den gesamten Saal erfasst.

Es ist, als würde jemand meinen Darm durch meinen After nach draussen ziehen. Meine Speiseröhre scheint sich ebenso nach außen zu stülpen. Ich finde mich gekrümmt auf der Bühne liegend wieder, in meinem eigenen Erbrochenen und mit meinem flüssigen Darminhalt in meiner Hose. Ich schnappe nach Luft und schaffe es den Kopf zu heben. Als ich sehe, daß es nahezu allen Anwesenden genauso geht, grinse ich.

Die Anlage ist ausgegangen, als Hanni sich übers Mischpult erbrochen und damit einen Kurzschluss verursacht hat. Die Notbeleuchtung funzelt matt über hunderte zusammengekrümmte, stöhnende, mit Kot und Erbrochenen bedeckte Partypeople hinweg. Niemand ist dazu imstande, in eine Massenpanik zu verfallen.

Hinter dem Mischpult richtet sich Hanni langsam auf, Erbrochenes in seinen langen Haare hängend. Er grinst, hebt die Hand in meine Richtung und formt mit seinen Fingern das Zeichen des Gehörnten. Das war es wert.

bitte lest das ende dieser fiktiven geschichte dessen ich-erzähler nicht identisch mit mir ist.

So. Das wars. Fickt euch alle. Fickt eure Mütter und Väter und meinetwegen eure Kinder. Ich bin raus. Diese Welt kotzt mich an. Dieses Leben auch. Jaja, ihr habt mich nie ernstgenommen. Das wird sich ab morgen ändern. Ich hoffe ihr macht euch Vorwürfe. Ich hoffe euer Leben ist für immer vergiftet.

Jaja, ich bin ein egozentrisches Arschloch. Mir egal. In ein paar Stunden sowieso. „Ist nicht jede beschissene Existenz besser als gar keine?“ – mit diesem Motto habe ich mich jahrelang gedrückt. Gedrückt vor der Konsequenz. Jetzt werden wir sehen, wer stärker ist. Ich oder vierhunderttonnen Metall mit einer Geschwindigkeit von ca. dreihundert Kilometer pro Stunde. Die Vorstellung davon, wie euer beschissenes, krankes, fehlerhaftes Genmaterial, das Produkt von Psychoterror, Haß und Gewalt – mein Körper – in tausende Teile zerfetzt wird, zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Ich mache mir keine Illusionen. Ich glaube nicht, daß mein Tod viele von euch kümmern wird. Nur ein weiteres willkommenes Ereignis, über das man sich das Maul zerreißen kann, schockiert tun kann, Betroffenheit heucheln kann – ein weiteres willkommenes Ereignis, das euren leeren Alltag ein wenig bunter machen wird.

Blablabla, man muß sich seinen Sinn im Leben selbst machen. Haltet doch eure beschissene Fresse. Nichtmal, daß ich gestern versucht habe, mir Dinge anal einzuführen und so irgendeinen Grund zum weiterleben zu finden, hat geholfen.

Es ist dunkel. Daß es regnet ist nur passend. Klischee. Ja fick dich. Ist mir egal. Bald sowieso. In meiner Tasche sind zwanzig Euro. Die hätten für die nächsten zwei Wochen reichen müssen. Ich tu was gegen die Inflation. Die wird niemand mehr ausgeben wollen.

Ich glaube nicht, daß ich etwas krasses tue. Ich gehe aus dem Nichts ins Nichts. Nur daß man im zweiten Nichts nicht leidet. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Nichts deutet darauf hin, daß es so etwas gibt. Nichts außer den erbärmlichen, aus Angst und Verzweiflung und Feigheit geborenen Phantasien der Menschen, diesem Fehlprodukt der Evolution.

Ich stehe an der Böschung der Bahnstrecke. Auf dem Waldweg in zweihundert Meter Entfernung steht mein Auto. Mein Vermögen vermache ich der deutschen Bahn und dem Lokführer. Tut mir ja leid für ihn. Aber er wirds überleben.

Niemand ahnt es. Ich habe keine Hinweise gegeben. Hab getan wie immer. Wahrscheinlich wird man mich sowieso nur sehr schwer identifizieren können. Für mein soziales Umfeld werde ich einfach verschwinden. Das wird eh den meisten egal sein. Die paar, denen es nicht egal sein wird….naja, sie werdens überleben. Im Gegensatz zu mir haha!

Ich kucke auf meine Uhr. Bald wird der Zug kommen. Hey, ich versuche, allen möglichst wenig Arbeit zu machen. Ich hab im Internet recherchiert, wann der letzte Zug auf dieser Strecke an dieser Stelle sein wird. Solche Tabellen gibt es im Netz für die armen Seelen, die ihr bemitleidenswertes Dasein mit dem Fotographieren von Zügen verbringen. Naja. Mir sind sie nützlich.

Jetzt wird der Zug gleich kommen. Na denn. Tschüß Welt. Und fick deine Mutter in den Enddarm! Ich mach mich bereit zum Sprung. Mit ein bißchen Glück wird mich der Luftdruck, den der ICE vor sich herschiebt, noch im Sprung entleiben. Ich meine schon ein Surren auf den Gleisen zu hören. Aber ich sehe nicht die Lichter in der Dunkelheit. Wo bleibt der Zug?

Ach scheiß drauf. Das mit dem Im-Sprung-Zerfetzen ist zu riskant. Am Ende schleudert mich der Luftdruck nur zur Seite (wenn ich eine Millisekunde zu spät abspringe) und ich überlebe. Am Ende noch behindert und dann liege ich da im Pflegeheim oder in der Tagesförderstätte als Opfer von ausgebranntem Personal, das mich hasst. Nenene.

Entschlossen springe ich auf die Schienen. Ich spüre den Schotter durch die Sohlen meiner Turnschuhe. Jetzt bin ich doch ein wenig aufgeregt. NEIN! JETZT NICHT ZWEIFELN! Wenn du jetzt einen Rückzieher machst wirst du dich immer hassen!

Mein Herz beginnt zu klopfen. Ich höre meinen Puls in den Ohren pochen. Ich breite die Armen aus. Los, Welt, jetzt zeig mal was du drauf hast. Auf gehts. Du wolltest mich leiden lassen. Aber ohne mich. Denkst du wirklich, ich hätte diese ewigen Demütigungen noch länger mitgemacht? Falsch gedacht. Du bist Schachmatt. Ich bleibe der Gewinner. Ich lasse mich nicht fertigmachen, okay?

Der Wind weht mir die Haare ins Gesicht, die mittlerweile nass vom Regen sind. Ich atme tief durch und bereite mich auf das letzte Kapitel vor.

Doch der Zug kommt nicht. Eine Minute, zwei, drei Minuten vergehen. Die Armen beginnen mir wehzutun. Wo bleibt dieser beschissene Zug? Und es wird kalt. Ich bin durchnässt. Habe nur einen Pulli an. In der Jacke zu sterben fand ich blöd. Ist außerdem nur unnötige Polsterung. Der Aufschlag wird dadurch nur gemindert und das will ja wohl keiner. Aber dafür ist mir jetzt kalt. Scheiße.

Eine Viertelstunde später gehe ich zurück zum Auto und fahre nach Hause. Am nächsten Tag wache ich mit einer Mördererkältung auf und stelle fest, daß meine Uhr massiv nachgeht. Der Akku machts nicht mehr. Notiz an mich: Neue Batterie für die Uhr kaufen, Uhr im Auto reparieren lassen und Handy immer mitnehmen.

Drei Chromosome für ein Halleluja!

Drei Chromosome für ein Halleluja!

Wir leben in modernen Zeiten. Die Medizin ist äußerst leistungsfähig geworden. Gleichzeitig leben wir im Kapitalismus, einem System, in der höchste Wert die Fähigkeit zur Erzeugung materieller Werte ist. Eine logische Folge aus diesen beiden Faktoren ist, dass eine leistungsfähige Medizin diese Fähigkeit fördern und unsere Körper und unseren Geist zum Funktionieren bringen soll.

Doch ist dies tatsächlich das, was uns glücklich macht? Natürlich nicht. Materialismus macht niemanden glücklich, das sollten wir mittlerweile alle halbwegs kapiert haben. Dass ein gewisser Grad an körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit nicht immer ganz abzulehnen ist, will ich hier mal einräumen. Wie aber ist diese Sache in einer Gesellschaft zu sehen, in der verschiedene Mitglieder verschiedene Aufgaben übernehmen und in der abstrakter, nicht materiell zu bemessender Faktor wie Kultur eine erhebliche Rolle spielt und noch dazu einen erheblichen Einfluss auf die allgemeine Befindlichkeit und damit wiederum die materielle Leistungsfähigkeit der Gesellschaft hat?

Die medizinische Wissenschaft hat die Möglichkeit der Pränataldiagnostik entwickelt – also die Fähigkeit, vor der Geburt eines Menschens festzustellen, ob ein Foetus Anzeichen auf genetische Unregelmäßigkeiten oder etwaige Schädigungen in sich trägt – Anzeichen auf das, was im großen und ganzen als „Behinderung“ bezeichnet wird.

Menschen mit sogenannter Behinderung sind natürlich oft nicht ganz so leistungsfähig wie Menschen ohne sogenannten Behinderungen, was das Erzeugen von materiellen Werten betrifft. Menschen mit kognitiven Einschränkungen lernen auch weniger schnell, brauchen oft mehr Zuwendung und Hilfen, um in unserer Gesellschaft, die auf die Bedürfnisse von Menschen ohne Behinderung ausgerichtet ist, zurechtzukommen. Dies bedeutet für die Gesellschaft ein Problem, zusätzlichen Aufwand, Kosten usw.. Nicht zuletzt für Eltern, die mit der Diagnose einer Behinderung bei ihrem ungeborenen Kind oft alleingelassen werden.

Die Gesellschaft hat eine Lösung für dieses Problem entwickelt: Die oben aufgeführte Pränataldiagnostik. Viele Menschen nutzen diese Möglichkeit. Schwangere Frauen lassen ihren Foetus auf Anzeichen für Behinderungen untersuchen und machen bei positiven Testergebnissen von der Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs Gebrauch.

Die rein prinzipielle Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche (das häßliche Wort „Abtreibung“ will ich hier nicht gebrauchen) soll hier außen vor gelassen werden. Für den Verfasser dieser Zeilen ist es moralisch nur vertretbar, die Entscheidung über einen Fötus niemand anderem als der schwangeren Frau selbst zu überlassen – es handelt sich hierbei schließlich um ihren Körper.

Es muß jedoch auch die Frage gestellt werden dürfen, wie es um die Moral einer Gesellschaft bestellt ist, in der die Abtreibung (jetzt habe ich das Wort doch benutzt) eines Fötus, der Anzeichen einer möglichen Behinderung zeigt, allgemein akzeptiert ist und problemlos durchführbar ist, während das Abtreiben von Föten, welche diese Anzeichen NICHT aufweisen, immer noch teilweise heftig diskutiert und auch streng reglementiert wird – bei „behinderten“ Föten ist bis zum Zeitpunkt der Geburt ein Schwangerschaftsabbruch rechtlich ohne Probleme möglich.

So weit so schlecht. Wir machen uns unsere Wunschkinder, was unseren hohen Ansprüchen nicht genügt wird ausgesiebt als nicht lebenswert. Die Herrenrasse duldet niemanden neben sich.

Kurioserweise funktioniert diese Säuberungsmethode nicht. Denn die Anzahl der Menschen mit Behinderung steigt. Und zwar ist auch dieser Faktor auf den medizinischen Fortschritt zurückzuführen: Denn viele Neugeborene, die früher durch Komplikationen bei der Geburt ums Leben kamen, können heutzutage durch die verbesserte medizinische Versorgung gerettet werden. Sie überleben, meist mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen.

Gleichzeitig sinkt die Anzahl der „klassischen“ geistig Behinderten – der Menschen mit Trisomie 21 – dem Down-Syndrom.

Die Gesellschaft tut sich selbst hiermit einen Bärendienst. Natürlich – das muß unbedingt erwähnt werden! – ist es positiv, wenn mehr Neugeborene durch medizinischen Fortschritt überleben – selbst mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen. Jedes Leben sollte als gleich wertvoll und schützenswert anerkannt werden.

Doch das Verschwinden von Menschen mit Down-Syndrom ist ein großer Verlust für die Menschheit. Wer je die Möglichkeit hatte, Menschen mit Down-Syndrom kennenzulernen wird das bestätigen. Je nach Schweregrad der Ausprägung der Trisomie brauchen diese zwar zum Teil umfassende Hilfe in unserem Alltag – doch niemand, der mehrere Menschen mit Downsyndrom kennt, wird leugnen, dass ihre Gegenwart eine Bereicherung ist. Menschen mit Down-Syndrom sind direkt und fast immer absolut authentisch. Natürlich hängt auch der Charakter dieser Menschen in hohem Maße von ihrer Sozialisation ab. Allerdings begegnete mir noch nie ein Mensch mit Down-Syndrom, der mir unsympathisch war. Und die allerwenigsten von ihnen waren unglücklich mit ihrem Leben oder ihrer Existenz.

Ich rufe mit diesem Artikel also dazu auf, die Existenz von Menschen mit Down-Syndrom in unserer Gesellschaft zu fördern. Frauen sollten dazu angehalten werden, erst im hohen Alter Kinder zu bekommen, um die Chancen für das Auftreten von Trisomie 21 zu erhöhen. Es sollte als moralisch höchst fragwürdig gelten, Kinder mit Down-Syndrom abzutreiben. Ich bin sicher, daß die Welt dann ein klein wenig besser wäre.

Interview 2008 mit Nillson.de – nicht veröffentlicht wegen angeblichem Aufruf zu Gewalt

Nillson:
Johannes, dein neues Album ist überraschend…beschränkt, was den Stil angeht. Du scheinst nicht mehr so vielseitig zu sein.

Giesemann:
Ach, das kommt wieder. Zur Zeit höre ich eben fast nur Metal, Hardcore und so Elektrogeballer. Das prägt. Außerdem wollte ich diesmal halt wirklich mal wieder draufhaun.

Nillson:
Das Cover des Albums zeigt drei amerikanische Bomber aus dem zweiten Weltkrieg, die gerade ihre Bombenschächte leeren…

Giesemann:
Ich finde, das Bild ist eine gute Metapher für meine Intention hinter dem Album.

Nillson:
Das Böse vernichten?

Giesemann:
Nein.

Nillson:
Sondern?

Giesemann:
Killt sie alle, Gott wird sie schon sortieren.

Nillson:
Du glaubst an Gott?

Giesemann:
Ich glaube an nichts. Nicht mal an Nihilismus.

Nillson:
Ich glaubte aus vielen der Texte der Songs auf dem Album eine Abneigung gegen organisierte Religion rauszuhören. Am deutlichesten auf „Kreuzzug“. Woher kommt diese Abneigung.

Giesemann:
Also. Meinetwegen darf jeder leben wie er will. Jeder darf sich verschleiern wie er will, jeder darf irgendwelche Marienstatuen weinen sehen, den Sabbath ehren. Ist mir alles egal. Problematisch ist nur, daß diese Leute immer die Tendenz haben, sich zusammenzutun und andere, die anders leben wollen dazu zwingen wollen, so zu leben wie sie. Und seien es ihre Kinder. Von der Doppelmoral, die noch dazu mit Religiösität einhergeht, will ich gar nicht reden. Wer von der christlichen Leitkultur redet, kann nicht gleichzeitig Menschen in Hunger und Elend, Folter und Verfolgung abschieben – Hallo? Nächstenliebe?

Nillson:
Glaubst du, daß Heuchelei ein großes Thema in unserer Gesellschaft ist?

Giesemann:
Ja. Unsere Gesellschaft ist aufgebaut aus Heuchelei. Wir nennen Behinderte jetzt „Menschen mit Behinderung“, tun praktisch jedoch nichts um ihre Lage zu verbessern. Wir reden von Freiheit und Demokratie, nehmen aber jede noch so lächerliche Gefährdung, um unsere Freiheit – im Nahmen der Freiheit – einzuschränken.

Nillson:
Was hilft gegen diesen Zustand?

Giesemann:
Sprengstoff? Kalashnikow?

Nillson:
Auf dem Album befindet sich mit „Xenophobia Simplex“ auch ein Song gegen Neonazis. Welchen Hintergrund hat das?

Giesemann:
Die Idioten meinen, sie müssten in regelmäßigen Abständen durch Frankfurt marschieren. Das nervt und kostet jedesmal Unsummen.

Nillson:
Der Titel des Songs erinnert nicht zufällig an eine Krankheitsbezeichnung – „Schizophrenia Simplex“?

Giesemann:
Nein. Diese Leute leiden unter einer schlimmen psychischen Störung. Unter einer Massenpsychose. Sie brauchen dringend therapeutische Hilfe. Das wäre nicht so schlimm, wenn sie sich nicht zusammentäten und so gefährlich für die Allgemeinheit wären.

Nillson:
Mir scheint, in einigen der Songs auf dem Album wird der Schmerz im Leben geradezu gefeiert…

Giesemann:
Na klar. Was haben wir denn sonst? Wir brauchen die Tragödie, das Drama. Wir brauchen den täglichen Kampf. Anders wäre unser Leben noch sinnloser als es sowieso schon ist.

Nillson:
Du findest es sinnlos?

Giesemann:
Ne, laß uns nicht drüber sprechen. Am Schluss bin ich noch Schuld, wenn sich eure Leser die Kugel geben.

Nillson:
In „Aus Frankfurt mit Liebe“ heisst es „Fick deine Mutter, Fick deinen Vater“. Das ist ja nun nicht soooo kreativ.

Giesemann:
Kreativ mein Arsch. Ich hab wohl zuviel KIZ gehört.

Nillson:
In „Der Verlorene Weg“ kommt mehrmals „Fick dich und halts Maul du Wichser“ vor, in „Tempus Fugit“ lautet der Chorus „Fick deine Mutter du Arsch“….

Giesemann:
Die Bomber, weisste.

Nillson:
Um was geht es eigentlich in „Chorea Major Dementia“?

Giesemann:
Darum, daß auf unsere Gesellschaft ein gigantischer Pflegenotstand zukommt. Was tun wir mit den abertausenden dementen Senioren, die keiner mehr pflegen kann? Ich hatte bereits beruflich mit Menschen mit Demenz-Symptomatik zu tun – und ich will dieses Krankheitsbild nicht am eigenen Leib erleben. Erst recht nicht, wenn die Situation in der Pflege noch katastrophaler wird, als sie eh schon ist.

Nillson:
Welche Sprache ist eigentlich „Tok Re Oi Tsi Na Tass“?

Giesemann:
Eine böse Sprache.

Nillson:
Und schließlich forderst du in „Ach magst die net? Schad!“ nukleare Aufrüstung. Was soll das denn?

Giesemann:
Was das soll? Alles kaputtmachen, Alter! Bombe drauf und gut is.

Nillson:
Danke für das Interview.

SCUM, alta!

I

Der VW-Lupo von Dani ist bis obenhin vollgestopft. Neben mir sitzt Marenga und hinten quetscht Basti sich zwischen zwei Bässe, zwei Gitarren und diverse Kisten mit ZEUG (Kabel, Mikros, Verzerrerpedale usw.).

Noch bevor wir aus Oberursel raus sind, öffnen Basti und René jeweils ein Bier – es ist definitiv nicht ihr erstes an diesem Tag. Es ist erst gegen drei Uhr nachmittags. René hat Böller mitgebracht und die werden direkt gleich direkt aus dem Autofenster geworfen. Dikusch und Micha, die hinter uns fahren, versuchen einem der Böller auszuweichen und geraten dabei beinahe in den Gegenverkehr.

An Musik gibt es nur Johnny Cash und Danis CDs, unter anderem ein Biene-Maja-Hörspiel. In Ramstein wird Rast gemacht, vorm Burger King gekifft und in Unterhosen in der Tanke einkaufen gegangen. Schließlich erreichen wir Frankreich, äh, das Saarland bzw. Neunkirchen. Das Juz finden wir aber nicht, und so fragen wir auf einem Aldi-Parkplatz ein älteres Ehepaar, das deutlich versucht, nicht irritiert zu sein ob des laut aufgedrehten Biohazard-Songs im Lupo sowie von René und Basti, die Böller auf die Aldifiliale werfen.

Wir finden das Juz und laden aus. Währenddessen wird Jägermeister getrunken. Schließlich füllt sich der Laden, ich hol mir an der Tanke einen Kaffee und versuche zu kacken – geht nicht, Mist. Erst hatte es geheißen, wir könnten hier pennen, aber in den Schlafraum des Juz hat wohl erst letzte Nacht jemand reingekotzt. Die sanitären Einrichtungen sind sehr rustikal.

Inzwischen werfen René und Michas Freundin Böller auf Emokids. Man The Change sitzen in ihrer Ecke und werfen uns etwas irritierte Blicke zu. Der Sänger der Speed Bananas macht mir ein Kompliment ob meines Oberlippenbartes und schließlich spielen wir. Als wir die Mülltonne auf die Bühne stellen ernten wir konsternierte Blicke. Das Publikum ist etwas statisch, aber die Mülltonne von der Bühne zu treten lockert die Stimmung merklich. Musikalisch ist der Gig nicht der Rede wert. Als letztes spielen wir den Rapsong und verteilen Konfetti. Zwei Kilo Konfetti sind ziemlich viel, das Zeug ist danach ÜBERALL.

Nach dem Gig gibt es Diskussionen zwischen den Juz-Leuten und dem Veranstalter. Man will uns weniger Kohle geben wegen dem Dreck den wir gemacht haben. Letzten Endes wirft der Veranstalter den Juz-Leuten „Nazi-Methoden!“ vor und wir bekommen die Kohle wie abgemacht. „Das zieht immer bei denen.“

Es wird spätabends. Ich schlage vor, heimzufahren, aber Basti will „Party machen, Alter, wir fahren morgen nach Frankreich zum Frühstück!“. Gegen drei Uhr lege ich mich im Backstageraum auf eine Couch und ignoriere Bastis „Ich will nach Hause!“. Überall im Juz sind Brandflecken von Böllern, wer die wohl geworfen hat?

Dikusch und Micha sind plötzlich weg und lassen Zeug da, welches eigentlich sie im Auto mitnehmen sollten – was solls, so ein Lupo ist ja groß genug. Nachts zündet Basti wohl noch in meiner und Renés Nähe diverse Böller – nix gemerkt, nicht aufgewacht. Es leben die Ohrstöpsel.

Am nächsten Morgen bei Tagesanbruch wird das Chaos im Juz deutlich. Nur schnell weg hier. Wir kleben mit Gaffa-Tape „SCUM“ an die Wand, richten im Pc des Juz-Büros ein Bild von Basti vor einem Abfallhaufen vor seinem Amp als Desktophintergrund ein und verpissen uns dann.

Unterwegs bekommt Basti Erektionen von den Motorvibrationen des Lupo, ansonsten verläuft die Fahrt unspektakulär.

II

Treffpunkt beim Unskilled-Proberaum. Heute ist Hardcorekonzert in der Halle in Frankfurt und sowohl Scum als auch Unskilled, die andere Band von René spielen. Die Fahrt ist kurz, Heimspiel. Wir laden das Zeug aus, danach geht es geschlossen auf die Suche nach einem McDonalds, der weiter weg ist, als gedacht.

Als wir zurückkommen werden wir von der Nachricht überrascht, doch früher spielen zu müssen.
Basti: „Scheiße, ich bin noch viel zu betrunken um zu spielen!“
René: „Scheiße. ich bin noch nicht betrunken genug um zu spielen.“

Die Nummer mit dem Konfetti sparen wir uns diesmal, da der Besitzer der Halle nicht der Typ ist, dem man ungestraft seinen Club versaut. Musikalisch wieder nicht besonders, Bass total verstimmt, Dikusch hat nen Krampf im Arm – naja.

III

Party bei der Turbojugend in Oberursel. Soll heißen: Privatparty auf dem Grundstück von Kindern reicher Eltern, die manchmal Punker spielen. Draußen, auf der elterlichen Wiese. Ich komme erst gegen halb elf. Die anderen haben schon alles aufgebaut. Wir fangen an zu spielen, vor der Bühne ein Knäul aus pogenden Gymnasiasten. Nach dem zweiten Song schließlich kommt eine Frau auf die Bühne, die sich als Mami des „Veranstalters“ und „Hausherrin“ zu erkennen gibt, und will, daß wir unser Zeug aus dem Raum, den wir als Backstage benutzen, rausräumen. „Jetzt?“ „Jetzt.“

Was macht eine böse Proll-Hardcoreband in diesem Fall? Richtig. Wir räumen brav unser Zeug weg. Danach kommt der Gig jedoch nicht mehr richtig in Fahrt, wir machen lange Pausen, weil Basti ständig Saiten reißen und es nervt alles ein wenig.

Als wir grade unser Zeug im Auto verstauen kommt die Polizei wegen Ruhestörung. Einer der Beamten grinst, als ich an ihm vorbeigehe und freundlich meine „Kommen sie rein, wir sind eh grade fertig und die nächste Band ist eh scheiße.“

Konfetti haben wir auch noch geworfen und die Eltern des Partyveranstalters sind nicht amused, als sie die Tüte vom Geschäft finden, in der auch noch der Kassenzettel ist, aus dem hervorgeht, daß wir uns das Konfetti 15 € kosten haben lassen.

„Ey, ich hab noch nie gesehen wie unser Rasen gesaugt wird.“

IV

René hat uns verlassen, für ihn kam Richie. Richie SCHREIBT Texte, die nicht nur vom Alkoholkonsum handeln oder davon, wie geil wir sind. Identitätskrise!

Nichtsdestotrotz: Auftritt in Frankfurt-Bockenheim, im IVI. seit dem letzten Auftritt ist fast ein Jahr vergangen, das Set ist geschrumpft.

Erstmal muß die PA geholt werden, das übernehmen wir mit dem Scum-Panzer, und da kommt raus, daß die IVI-Leute niemanden organisiert haben, der mischen kann oder weiß wie, man ne PA zusammenbaut.

Naja, zum Glück ist der Bassist von 47MillionDollars, die auch spielen, Tontechniker. Danke!

Der Gig wird ein Heimspiel vor lauter Leuten die man kennt. Basti ist unglaublich betrunken und schüttet mir vorm Gig Bier über meine Lieblingsvans. Ich HASSE nasse Schuhe. Und boxe ihn dann zweimal ziemlich fest in den Bauch. Und habe ein irre schlechtes Gewissen danach, was er auch nicht besser macht mit Äußerungen wie „vielleicht ist meine Milz jetzt gerissen“. Er hat überlebt.

Unser Gig ist okay, musikalisch jedoch wie immer verbesserungswürdig. Auch wenn wir reinhauen wie die Bekloppten und alles geben, spielen uns 47MillionDollars mal eben locker an die Wand. Aber wenn man 10 Jahre ne Band am Laufen hält ist das schon okay so. Respect Jungs, ihr wart echt fett.

Achja. Wir haben 50€ rausgekriegt. Total bizarr.